Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (1043) 13.3.2019

Gestern war hier bei mir ein zuerst krasses und dann sehr trauriges Ereignis. Abends, als ich unsere üblichen Sendungen mit meiner lebensechten Silikonpuppe schaute, klingelte es an meiner Tür. Ich dachte, es sei vielleicht ein Werbeeinwerfer und machte nur schnell auf, damit ich mit Jenny weiter schauen konnte. Doch kurz danach klingelte es an meiner Tür und es standen ungelogen 30 Leute vor ihr!

Die Frau vor der Meute entschuldigte sich und sagte, man würde eigentlich im Dachgeschoss eine Wohnung ansehen wollen und die Klingeln seien nur bei mir gegangen, also ließ ich den Trupp, der aus vielen jungen Deutschen Singles und Paaren bestand, verwundert weiter ziehen.

Einen Tag später lief mir der Nachbar dieser Wohnung über den Weg und ich fragte ihn, wieso so eine Meute an jungen Menschen in seine Wohnung kommen wollte. Er sagte mir ganz einfach: Die wollten alle die Wohnung besichtigen!

Ich wohne weder in Berlin noch irgendeiner anderen Metropole Deutschlands, wo der Mietwahnsinn bereits alltäglich ist. Ich wohne am absoluten Rand einer mittelgroßen Deutschen Stadt und wenn hier jemand in den letzten Jahren eine Wohnung verkaufte, war oft einige Monate das Maklerschild am Fenster zu sehen. Ich hatte mich schon gewundert, warum dies seit 1-2 Jahren nicht mehr der Fall ist.

Fast 50% Preisanstieg innerhalb weniger Jahre bei meiner Immobilie

Von dem Ereignis aufgeschreckt schaute ich mal in die Preise der Immobilien hier und in die Presse, warum nun so viele Menschen in einem Vorort eine Wohnung quasi bestürmen. Meine Eigentumswohnung ist im Preis quasi explodiert und nun nach Jahren des Stillstandes fast 50% mehr Wert und die Mieten hier sind im letzten Jahr um fast 15% gestiegen. Es ist einfach absurd und die Leute tun mir leid, die so einen Wahnsinn mit machen müssen.

Als ich 2011 hierher zog, war der Wohnungsmarkt – Gott sei Dank – noch im Normalzustand. Für einen Liebespuppenbesitzer ist der Kauf oder das Mieten einer Wohnung nicht so einfach. Man braucht zumindest ein abschließbares Zimmer, die Wohnung sollte nicht zu hoch ohne Fahrstuhl liegen usw.

Meine Silikonpuppe war damals ein wichtiger Teil für die Entscheidung für diese Wohnung, die fast ebenerdig liegt und wo ich genug Zimmer habe, um Jenny im Fall eines unerwarteten Besuches zu verstecken. Auch die Lagerung von 2 Liebespuppen braucht so seinen Raum und mein Kumpel mit seiner Silikonpuppe will seine Süsse in der schweren Tragetasche sicher auch nicht über mehrere Etagen schleppen.

Und so war es dann eine schöne geräumige Wohnung mit gutem Schnitt und fast ebenerdig sowie einem großen Schlafzimmer zum Abschließen, was unser gemeinsames Reich wurde. Doch ich hatte damals das Glück, dass es noch einige bezahlbare Wohnungen in dieser Region gab.

Dieses Glück haben heute immer weniger Menschen, egal ob mit Doll oder nicht. Sie müssen oft nehmen, was kommt, müssen sich mit zahlreichen Mitbewerbern rum schlagen und riesige Abstandszahlungen leisten. Dann bleibt kein Spielraum mehr, eine „Liebespuppengerechte Wohnung“ zu besorgen und das macht mich in einem solch reichen Land wütend und traurig.

Ich hoffe sehr, dass sich diese Zustände bald wieder ändern und Menschen mit und ohne ihr Püppi eine gute und bezahlbare Wohnung finden und dass der Liebespuppenfreund auch endlich wieder mehr Rücksicht auf seine besondere Wohnsituation nehmen kann. Es muss doch möglich sein!