Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (817) 11.10.2017

Eines der für mich unerklärlichsten Phänomene dieser Welt ist, warum manche Liebespuppenfreunde ihre Liebespuppen lieben können und andere nicht und warum die Formen dieser Liebe so unterschiedlich sind.

Ich habe in all den Jahren im Forum, all den persönlichen Treffen und den privaten Austausch mit Liebespuppenfreunden viele unterschiedliche Arten von Liebe zu Liebespuppen gefunden und ich habe auch mit einigen gesprochen, die über die Ebene der reinen Sexpuppe nicht hinaus kamen oder sie gar als Gebrauchsgegenstand wie einen Dildo oder so ansahen. In all den Gesprächen habe ich keinerlei Verbindungen gesehen, vielleicht Tendenzen, aber ich kann bis heute kein Schema feststellen, warum Menschen Liebespuppen lieben.

Kein Alter, keine Herkunft, kein Lebensweg und auch keine bestimmten Erfahrungen mit Frauen sind ein Garant dafür. Ich habe Menschen aus allen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, Regionen und politischen wie ethischen Wertevorstellungen gesprochen und auch wenn ich dafür keinen Beleg habe, so bin ich mir fast sicher, dass es in unserer Welt sogar eineiige Zwillinge geben dürfte, wo einer eine Liebespuppe liebt und der andere rein gar nichts für sie übrig hat.

Das Phänomen der Liebe zu lebensnahen Liebespuppen ist sehr weit gefasst und ich denke, man könnte ganze Bücher und jahrelange Untersuchungen damit füllen. Doch leider haben sich Wissenschaft (vor allem die Psychoanalyse) und Massenmedien derart stümperhaft diesem Thema genähert, dass sich heute kaum noch Menschen für diese beiden Gruppen bereit stellen. Sie alle haben genug davon, ständig als Spinner, Freaks, Loser und noch schlimmeres abgestempelt zu werden und bleiben lieber stumm, was ich sehr schade finde.

Viele Dimensionen der Liebe zu Liebespuppen

Ich kann nur aus meiner Erfahrung soweit sagen, dass es unterschiedliche Dimensionen von Liebe zu Liebespuppen gibt. Diese kann bis ins Übernatürliche gehen (siehe mein Fall oder der bekannte Davecat) oder sie kann asexuell sein oder nur auf einer bestimmten Ebene statt finden. Die Varianten sind so umfangreich, dass man eigentlich nur sagen kann, dass es eben Menschen gibt, die Emotionen für die Liebespuppe hegen, die über eine reine sexuelle Nutzung hinaus gehen.

Es wäre eigentlich spannend, einmal zu erforschen, warum eigentlich Liebespuppen überhaupt bei einer signifikanten Zahl an Menschen solche Dinge auslösen. Die alte Theorie der „Objektliebe“ oder des „Fetisch“, wie dieses Phänomen in der Vergangenheit abgetan wurde, dürfte jedenfalls längst überholt sein, denn es ist keine spezielle Randerscheinung mehr und es finden sich auch sehr selten solche Parallelen wie bei Leuten, die z.B. ihre Autos vergöttern.

Interessant wären vor allem die Fragen, was eigentlich reicht, um Liebe in Menschen auszulösen und warum die Arten von Liebe so unterschiedlich verlaufen. Es wäre interessant, zu erheben, wie viele Liebespuppenbesitzer ohne Sex ihre Liebespuppe lieben und wie viele einen Geist in ihr sehen oder eine mental redende Seele und wer dort etwas anderes sieht. Es wäre spannend, zu sehen, warum bei manchen Menschen diese Liebe nicht geringer wird, warum sie oft Jahre und Jahrzehnte mit ihren Liebespuppen leben und wann sie zu einer echten Alternative zu einer Frau gesehen wird oder was generell gleich oder anders bei männlichen und weiblichen Liebespuppenfreunden ist.

Es ist eigentlich schade, dass eine rein empirische wissenschaftliche Betrachtung solcher Phänomene nie möglich war und ich befürchte, dass es bei den kommenden Robot – Sexpuppen noch schlimmer werden wird. Das ganze Thema wird noch mehr mit diffusen Ängsten belegt und mit Pseudodiskussionen verklärt werden. Die Ansätze sind jedenfalls jetzt schon offensichtlich, denn ich habe bisher kein Interview oder Artikel gelesen, wo dieses Thema nicht in Verbindung mit diversen Ängsten (meist völlig absurd und überzogen) diskutiert wurde.

Ich finde das sehr schade und sehe es als eine vergeudete Chance an, mehr über uns Menschen als emotionale und liebende Wesen zu erfahren.