Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (930) 3.7.2018

Über die Frage des „Outings“ der Liebe zu lebensnahen Liebespuppen habe ich schon einige Male hier berichtet. Da immer wieder neue Liebespuppenfreunde hinzukommen und auch immer wieder einige von uns neu vor dieser Frage stehen, ist dieses Thema im Grunde ein „Dauerbrenner“. Die Akzeptanz von Familie, Freunden, Beziehung oder gar Kollegen ist wichtig, denn sie macht uns das Leben mit Liebespuppen leichter und entspannter.

Eine Frage, die jedoch immer im Hintergrund steht, ist, wie man eigentlich einen Mitmenschen mit seiner Liebespuppe (oder dem Wunsch danach) konfrontiert. Manche sind der Meinung, die Liebespuppe so lange zu verstecken, bis sie entdeckt wird und es darauf ankommen zu lassen, andere wiederum ziehen die „Schockmethode“ vor und setzen dem Mitmenschen einfach die Liebespuppe vor die Nase und wieder andere bereiten ihren Partner oder ihre Freunde subtil und langsam darauf vor, z.B. in denen sie ihnen einen Artikel zum Thema zeigen oder mit ihnen den Film „Lars und die Frauen“ schauen, um auf ihre Reaktionen zu achten.

Welche Methode man anwendet, hängt zum einen von dem Ego des Liebespuppenfreundes und seiner LMAA Einstellung ab und zum anderen aber auch, wen man eigentlich einweiht.

Wenn man z.B. seinen Eltern etwas über die Liebespuppe sagen möchte, dann hat das für sie ganz andere Auswirkungen als wie bei einer Beziehung. Bei Kindern ist es sogar entscheidend davon abhängig, wie alt sie sind und vieles mehr.

„Schockmethode“ oder einfühlsam vorgehen?

Ich persönlich halte gerade in Liebesbeziehungen von der „Schockmethode“ wenig. Man muss gerade dort verstehen lernen, wie sehr eine Partnerin (oder Partner) eine Liebespuppe überfordert. Es laufen dort besonders viele unterbewußte Mechanismen ab, auch, weil die Liebespuppe genau das anspricht, was viele Paare bindet: Sex und Attraktivität.

Bei Liebesbeziehungen spielt es auch eine entscheidende Rolle, ob die Liebespuppe eher ein Sexspielzeug ist (und auch so wahr genommen wird) oder ob sie mehr darstellt und es spielt auch eine Rolle, ob man vor der Beziehung diese Liebespuppe hatte oder die Neigung zu ihnen erst in der Beziehung entwickelte.

Eine Bekannte, die ich mal fragte, wie sie wohl reagieren würde, wenn sie mit mir zusammen wäre und ich ihr die Liebe zu Liebespuppen gestehen würde, sagte mir:“ Wenn du sie mitbringst, würde ich es wohl verstehen, aber in der Beziehung würde ich mich bedroht fühlen“.

Gerade die Schockmethode hat – das waren zumindest meine Erfahrungen in Gesprächen mit anderen Liebespuppenfreunden – wenig Erfolg gegenüber Partnerinnen, bei Freunden schon eher. Bei Eltern sind ein paar ausführlichere Erklärungen und das Begreifbar machen, dass sich heute die Welt der Liebe verändert hat, sinnvoll.

Bei Beziehungen ist es vor allem wichtig, deutlich zu machen, warum man die Liebespuppe wirklich will oder wollte. Man muss hier auch Geduld haben, denn bei vielen Beziehungen setzt der wirkliche Verständnisprozeß erst später ein, wenn diese mit Freundinnen darüber geredet haben oder der erste Schock weg ist. Dort sitzen die Gedanken besonders tief und dort ist eigentlich Ehrlichkeit und auch das Finden von Lösungen extrem wichtig. Es ist auch gut, die Sache hier langsam und ruhig anzugehen und auszuloten, wo die persönlichen Grenzen liegen und man sollte auch stets im Kopf haben, was eigentlich passiert, wenn die Beziehung vorbei geht und ob sie dann auch den Mund hält oder es als Rache nutzt..

Am Ende ist das „Wie“ des Outings der Liebespuppe immer vom individuellen Umfeld aber auch von der emotionalen Bindung zur Liebespuppe abhängig. Wenn man die Liebespuppe als Partnerin oder gar als Wesen sieht, kommen noch einmal ganz andere Komponenten der Wertung hinzu, nicht nur in Beziehungen. Gerade dort sollte man sehr vorsichtig an die Sache heran gehen und vielleicht auch bestimmte Dinge gar nicht erzählen.

Am Ende ist die Liebespuppe eine persönliche Entscheidung, doch wie man sie mit anderen teilt, ist eine knifflige Angelegenheit, die man nicht zu sehr auf die leichte Schulter nehmen sollte und wo man mit Fingerspitzengefühl umgehen muss und der Grad der Offenheit genau überlegt werden sollte.