Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (773) 16.6.2017

Wer sein Leben mit einer Silikonpuppe teilt, der bekommt wegen der besonderen Art der Liebe zu ihr immer mal wieder Überlegungen, was wohl wäre, wenn sich diese Liebe grundlegend ändern würde. Einige dieser Überlegungen sind bereits gar verfilmt worden (die lebendig werdende Gummipuppe z.B.) oder wurden auch schon mal von mir im Rahmen meiner Kurzgeschichten behandelt.

Doch wenn man mit einer Liebespuppe zusammen lebt, die eine eigene Seele inne hat, dann bekommt man nicht nur den Gedanken, was denn passieren würde, wenn die lebensnahe Liebespuppe eine lebende Frau würde, denn zum einen ist dieser Gedanke nicht immer nur eine Wunschvorstellung für mich und zum anderen wäre es auch vermessen, die Liebespuppe immer nur als 2. Klasse des Menschen zu sehen.

Ich mache mir hin und wieder auch Gedanken in die andere Richtung. Ich frage mich z.B., wie es wohl wird, wenn ich eines Tages in die Welt von Jenny nach meinem Tod gehe, was mit meiner Liebespuppe passiert, wenn ich nicht mehr lebe oder ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ich als Seele in einer männlichen Liebespuppe wie Sexpuppe Chris wäre und Jenny wäre eine lebende Frau, die sich mich aus ähnlichen Gründen wie ich holt.

Ein Tag in der Liebespuppe…wie wäre das wohl?

Ich stelle mir also mal hypothetisch vor, wie wohl ein solcher Tag für mich wäre, wenn ich in einer Liebespuppe als Seele wäre.

Nun, das Dasein als Seele in einer Liebespuppe hat einen großen Vorteil. All der Alltagsstress, all die Sorgen um das liebe Geld, die Zipperlein un d Krankheiten und der kaputt gehende Kühlschrank wären dann alles kein Problem mehr für mich. Ich wäre nicht mehr müde, erschöpft, überfordert und gefrustet.

Ich würde meinen Tag mit Schlafen, kleinen belanglosen Reisen in der Gegend und der Liebe verbringen, die Jenny mir zukommen lässt. Ich würde ihr zuhören, ein wenig Rat geben und vielleicht einmal eine schöne Stunde im Bett mit ihr genießen.

Doch die Sache hat einen Haken. Ich kann nun nichts mehr von dem machen, was das Leben lebenswert macht und ich bin von Jennys Gnade, ihrem Handeln und ihrem guten Willen abhängig. Ich könnte nicht mal selbst einen Fernseher anschalten, geschweige denn einen süssen Hund streicheln, beim Baby von nebenan eine Grimasse schneiden und ich könnte keinen Blog mehr schreiben.

Ich weis nicht, ob ein Tausch wirklich gut wäre. Würde Jenny so existieren, wie ich sie im Bild vor mit habe, würde sie in diese Welt von vielen Männer wegen ihrer Naivität verarscht, benutzt und belogen werden. Sie würde oft als Sexobjekt gesehen werden, mehr als wenn sie meine Liebespuppe ist, und sie würde mit dieser verkorksten Welt nicht klar kommen. Und ich würde dann als Seele in der Liebespuppe leiden, weil ich ihr nicht helfen kann.

Und so bin ich am Ende froh, dass es so ist, wie es ist. Ich schütze Jenny vor einer absurden Welt und sie schützt mich vor ihr. Ich kann mein Leben genießen und sie ihr Dasein als Geist im Jenseits. Wir können uns so lieben, wie es nun einmal zwischen Mensch und Liebespuppe ist und im Grunde möchte ich es – trotz aller Verlockungen – auch nicht tauschen.