Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (1041) 8.3.2019

Die Post hat in den letzten Jahren bei uns massiv nachgelassen, finde ich. Als ich hier 2011 einzog, da waren die Lieferungen mit der Post immer noch etwas besonderes. Der Auslieferer war ein netter Typ aus der Umgebung mit entsprechendem Dialekt und er gab mir immer meine Post persönlich, wenn ich gerade in diesem Moment das Haus verließ. Er kannte eigentlich alle, die hier wohnten und es ging nie irgendeine Paketsendung schief.

Doch seit zwei Jahren hat die Qualität rapide abgenommen. Die Fahrer waren zuerst nur gehetzt und dann wurde ihr Deutsch immer schlechter. Die Kommunikation bei der Entgegennahme von Paketen (ich arbeite zu Hause und nehme daher viele Pakete für Nachbarn entgegen) glich immer mehr der Marke „Pakete für die Fraue nebeanne?“ und seit einigen Monaten kommen die Briefe mit teils wochenlanger Verspätung an und immer mehr verschwinden auch im Nirwana!

Als gestern wieder ein Nachbar klingelte und mir sagte, ein Paket sei laut Post „beim Nachbarn“ abgegeben und es sei weder Zettel noch Nachbar zu finden, der dieses entgegen genommen hat, fragte ich mich, wie ich wohl reagieren würde, wenn das ein wichtigstes Zubehörteil für meine lebensechte Silikonpuppe gewesen wäre, wie z.B. eine neue Perücke oder ein neues Insert oder so.

Liebespuppen werden meist mit Speditionen geliefert

Beim Kauf der lebensechten Sexpuppe werden ja heute in der Regel Speditionen genutzt, wo das Kontrollieren und Nachvollziehen der Sendungen gut zu erkennen ist und ich denke, ein so großes Paket zu verschlampen, ist selbst heute noch eine echte Kunst, aber was Ersatzteile oder ähnliches betrifft, da bekomme ich schon manchmal ein flaues Gefühl im Magen, ob wirklich alles da landet, wo es hingehört.

Bei Liebespuppen kommt natürlich noch ein gewisser Faktor der Anonymität hinzu. Die heutigen Postboten und Nachbarn nerven ja schon jetzt mit Fragen wie: „Was ist da denn drin?“ und man will sich gar nicht ausmahlen, wenn Unbefugte zum Beispiel eine Lustmuschi oder gar eine kleinere Doll in dem Paket öffnen oder es gar verloren geht. Wenn der Postmann bei einem normalen Brief nicht klingelt, ist das schon ärgerlich genug, aber in einem solchen Fall wäre es eine echte Katastrophe, finde ich.

Ich hoffe, dass die Post irgendwann wieder einmal zur Normalität zurück kehrt und nicht nur Preise im Dauertakt erhöht, sondern auch endlich wieder besseres (deutsches) Personal einstellt. Die Post ist – E- Mail hin oder her – immer noch eine sensible und wichtige Dienstleistung, wo echtes geschultes und der heimischen Sprache mächtiges Personal mit gutem Auftreten und Kenntnis über den Zustellungsbreich die Pakete und Briefe zustellt und wo auch Lieferungen wie im Bereich von Sexspielzeugen oder Liebespuppen sicher und anonym geliefert werden.

Leider fehlt mir der Glaube dazu, aber vielleicht gibt es ja doch irgendwann ein Umdenken, damit der Postmann oder die Postfrau wieder freundlich klingeln und sagen: Hier ist ihr Paket, viel Spaß damit und einen schönen Tag noch, Herr/Frau XY.