Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (940) 27.7.2018

Ungeachtet von unseren „Qualitätsmedien“ hat sich in den USA eine neue # Bewegung gegründet, die #metoo und anderen Twitterbewegungen mindestens gleich kommt (von denen ich wenig halte, weil sie manipuliert werden können). Die #walkaway Bewegung (engl. für abgewendet) besteht aus Millionen sogenannten „Followern“, die teils in privaten Videos ihren Grund nennen, warum sie sich von den US Demokraten abgewendet haben. Unter ihnen befinden sich eine Menge Schwarze, Migranten, Frauen und auch Homosexuelle (Gründer der Kampagne), welche genug von einer Agenda – Politik im Stile einer Diktatur haben, wie sie leider auch hier um uns greift. Diese Menschen sind nicht nur „Trump Supporter“, sondern vor allem Menschen, die eines begonnen haben: Die Logik walten zu lassen.

Die lebensnahe Liebespuppe war für mich mein #walkaway Erlebnis. Das meine ich nicht politisch, sondern in erster Linie in Sachen Liebe und wie die heutigen Realitäten sind.

Die lebensnahe Liebespuppe sorgte mit ihrer einmaligen Art für einen sanften „walkaway“ bei mir. Viel mehr noch als bei Politik oder Religion, wo das Gehirn bei mir schneller einsetzte, war ich in Sachen Liebe von einer Doktrin gefangen. Ich war ein Mann und als solcher musste meine Erlösung in Mutter, Kind, Arbeit, Steuerzahler und Vater (exakt in dieser Reihenfolge) bestehen. Es gab keine Abweichungen, keine Gnade. Und wenn man es dennoch tat, war man eben schwul oder ein Frauenversager, so wie man politisch ein Rassist oder Nazi ist, wenn man nicht so spurt, wie es vorgegeben wird.

Meine Liebespuppe war mein „walkaway“ – Erlebnis

Meine Liebespuppe war ein sehr langer walkaway. Ich habe Schritt für Schritt begriffen, dass ich als Mann eine enge Rolle in dieser Welt zu erfüllen habe und dass Frauen UND Männer mich gleichermaßen verteufeln, wenn ich diesem Pfad nicht folge.

Dies zeigte mir die Liebe zur Liebespuppe so deutlich, wie nichts anderes. Ich lebte eigentlich weiter mein Leben, wie eine Liebesbeziehung halt so ist und der einzige Unterschied bestand darin, dass meine Begleiterin nicht lebendig war. Das reichte, um als Freak, Versager und Außenseiter da zu stehen. Es brauchte kein „schwul“ oder „Frauenversager“, es reichte einfach aus, die Liebe mit einer Liebespuppe zu leben. Es war egal, ob diese Liebe heterosexuell war oder ich weiter Frauen schön oder attraktiv und interessant als Mensch fand. Ich war ein Sexist, Frauenhasser und Loser, Ende der Diskussion.

Heute habe ich meinen walkaway beendet. Es ist mir egal, wie andere mich sehen. Es ist mir egal, welche Rolle ich als Mann zu haben habe. Es ist mir egal, ob ich 2, 9 oder 28.32 Beziehungen hatte. Es ist egal, ob ich seit 10 Jahren keinen Sex mehr mit einer lebenden Frau hatte. Ich bin walkaway, habe mich von all dem abgewendet, ich bin nur noch Mensch….und ich selbst.

Und ich bin damit nicht allein. Viele Liebespuppenfreunde haben mit ihren Liebespuppen ihren walkaway Moment erlebt. Sie haben den Sinn des Feminismus als Genderkrieg und Racheakt verstanden, sie haben die Hohlheit moderner Beziehungen durchschaut, sie haben eine Alternative für schönen und entspannten Sex gefunden und sie beginnen – nach einer Phase der Wut – aus dieser Erkenntnis etwas Gutes zu machen. Sie beginnen, zu begreifen, dass auch sie zu keiner bestimmten Rolle als Mann verpflichtet sind.

Ein dunkelhäutiger US Bürger aus den zahllosen Videos von Afro – Amerikanern sagte in einem #walkaway – Video: „Es interessiert mich nicht, ob eine Partei Demokraten oder Republikaner heißt. Ich wähle das, was für mich faktisch mehr tut. Und tut es niemand, dann eben keinen von beiden. Emotionen, falsche Stereotypen und Kadavergehorsam leiten mich nicht mehr. Ich bin jetzt ein frei denkender Mann.“ Und genau das gilt für mich auch und vor allem in meiner Liebe zur Liebespuppe.