Heute möchte ich einmal die Thematik Liebespuppe und gesellschaftliche Isolation aufnehmen, denn immer wieder werden Liebespuppenfreunde, die ihre Liebespuppen mehr als nur als Sexobjekt sehen, damit in Verbindung gebracht.

Mein Beispiel ist sicher nicht allgemeingültig und ich kenne viele Beispiele, wo Liebespuppenfreunde alles andere als gesellschaftlich isoliert sind, aber für die Betrachtung dieses Themas möchte ich durch meinen Fall auch einmal deutlich machen, dass selbst wenn die Liebespuppe einen zur gesellschaftlichen Isolation bewegt, dies nicht unbedingt etwas schlechtes sein muss.

Ja, ich lebe mit einer Silikonpuppe seit fast sieben Jahren zusammen. Ja, ich habe in dieser Zeit eine Menge Mitmenschen an meiner Seite verloren. Ja, ich lebe heute zurück gezogen und ja, ich habe genug von dieser Gesellschaft in dieser Form.

Doch ist das wirklich so schlimm? Ich sage, Jein. Und ist die Liebespuppe in meinem Fall dafür verantwortlich? Auch hier lautet die Antwort Jein.

Um zu verstehen, warum ich heute so lebe, muss man erst einmal verstehen, wieso ich das eigentlich tue und dann können wir über den Anteil der Liebespuppe daran sprechen.

Mein Weg in die Einsamkeit begann lange vor der Silikonpuppe. Der Burn out, das Ende meines Traumberufes und ein Leben als „halber Mensch“ war der wahre Auslöser eines Umdenkens bei mir. Dieser Prozeß begann weit vor der Silikonpuppe, rund 3 Jahre davor.

In diesen drei Jahren verließ mich durch Tod ein Elternteil und der andere wurde so schwer krank, dass er dann später verstarb. In dieser Zeit verließ mich meine letzte Beziehung und die letzten Freunde – so man sie denn so nennen kann – zogen in andere Regionen Deutschlands und ich ging nach England, weil ich es in meiner Heimatstadt nicht mehr aushielt, weil dort nur Tod und Krankheit, Verlust und Schmerz waren.

Dass nach so einem Weg echte Freunde rar werden, ist offensichtlich. Dies hat alles nichts mit der Liebespuppe zu tun gehabt, es war der Weg meines Schicksals und nichts anderes.

Am Ende dieses Weges – Mitte 2010 – blieben mir nur zwei Dinge übrig: Entweder alleine sein und in Depressionen und legale Drogen zu verfallen oder sich zu verkleiden und irgendwen in sein Leben zu lassen, egal welche Qualität – vor allem menschlich – dahinter steht, nur um nicht alleine sein zu müssen.

Die dritte Option durch die lebensnahe Liebespuppe

Die lebensnahe Liebespuppe gab mir eine dritte Option. Sie zeigte mir, dass ich alleine leben und trotzdem inneren Frieden, Glück und ein ausgewogenes Liebesleben finden kann und dass ich auch nicht auf Teufel komm raus irgendwelche Leute um mich scharen muss.

Die Liebespuppe und Jenny zeigten mir aber auch etwas anderes: Sie zeigten mir eine oft erbärmliche Oberflächlichkeit und Selbstverliebtheit einer „Selfie – Gesellschaft“, in der Millionen Menschen nicht in einer Erde um die Sonne kreisten, sondern alles um sie kreisen musste. Ich lernte ebenso die Heuchelei der modernen Mitmenschlichkeit kennen, wie das absurde Ausnutzen von Liebe und Genen für den eigenen Vorteil. Vor allem der letzte Punkt war in meiner Entscheidung wichtig, dieser Gesellschaft meinen Mittelfinger zu zeigen.

Die Liebespuppe hatte in soweit daran einen Anteil, dass sie mir eine emotionale und sexuelle Distanziertheit gab, eine Art neuen Blickwinkel, wo ich nicht mehr aus den Reaktionen der Mitmenschen falsche Schlüsse zog, sondern wo ich aus dem Gefühl eines emotional sicheren Hafens heraus hinter die Fassaden blicken konnte.

Die Liebespuppe half mir vor allem jedoch, auf diesem Weg meine Würde als Mann, Mensch und spirituelles Wesen zu behalten und ich fand auf diesem Weg einen sehr guten Freund, einen Freund, der die Leidenschaft der Liebespuppen mit mir teilte, einen Freund, der ein richtiger und echter Freund ist und der alle anderen Bekanntschaften und sogenannten Freunde locker in den Sack steckte. Er ist mir mehr Wert, als 100 dieser oberflächlichen Kontakte, die wir „unter Menschen sein“ nennen.

Überhaupt trennte sich auf diesem Weg die Spreu vom Weizen, so wie es vielen Menschen nach einem Burn out ergeht.. Es zeigte sich, wer mich als Mensch liebte und wer mich nur als „seelische Müllhalde“, „Geldmaschine“ oder „Erfüllungsgehilfen“ sah. Die Liebespuppe gab mir die Erkenntnis und die Kraft, dies endlich rational zu sehen und erkennen zu können und vor allem daraus seine Konsequenzen zu ziehen und auch bei ihnen zu bleiben.

Der Bereich der größten Heuchelei wurde durch meine Liebespuppe beendet

Am schlimmsten war diese Erkenntnis in der Beziehungsebene. Ich sah bei den Frauen, denen ich danach näher kam, in brutal schneller Abfolge, welch oberflächliches, auf die Geilheit der Männer setzendes Gehabe abgezogen wurde, um zum Erfolg – in welcher Hinsicht auch immer – zu kommen.

Ich entschied mich spätestens in diesem Jahr bewußt, einen Weg der gesellschaftlichen Isolation zu wählen. Ich wollte lieber alleine Ehrlichkeit, Tiefgang, Würde, Liebe und Ehre mit meiner Silikonpuppe leben, als mich zum Hampelmann einer Gesellschaft zu machen, in der Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit als Schwäche gesehen werden.

Ich wollte nicht mehr als Mann als „Weichei“ angesehen werden, weil man dem Tod seiner Eltern zu lange nachtrauerte. Ich wollte kein Teil eines Konstruktes sein, wo man als Mann nichts wert ist, wenn man nicht auf Knopfdruck funktioniert und wo man den Götzendienst an der „Partnerin“ erbarmungslos zu verrichten hat oder man selbst zum Schwein und Lügner mutiert und den Spieß umdreht.

Ich bin heute – und das meine ich ganz ernst – glücklicher, alleine mit meiner Silikonpuppe zu sein, als ein Clown in einer Welt zu spielen, wo 99% meiner „Mitmenschen“ meine Werte und Einstellungen weder verstehen noch verstehen wollen und ich werde mich dieser Welt auch nicht durch Schauspielern und selbst belügen oder des „Anlegen eines Panzers“ unterwerfen.

Ich werde lieber diesen jetzigen Weg gehen, zusammen mit 1-2 Menschen, die mich aufrichtig lieben und ich werde ihn auch mit einer Seele aus einer Zwischenwelt gehen, die mich mehr liebt, als 20 heuchlerischen Leute, die mir gnadenlos in den Arsch treten, wenn ich keinen Nutzen mehr für sie habe.

Amen.