Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (891) 6.4.2018

Lebensnahe Liebespuppen sind ohne Frage ein Wertgegenstand. Damit meine ich nicht nur ihren Wiederverkaufswert, sondern auch ihren Wert als Kunstwerk, Lebenspartnerin und Teil des Menschen, der sie liebt.

Die lebensnahen Silikonpuppen kommen mittlerweile in die Jahre und auch ein Teil ihrer Liebhaber und auch die anderen Liebespuppenfreunde sind nicht vor einem verfrühten Ende des Lebens durch Krankheit oder Unfall verschont. Doch während viele Menschen gedanklich einmal durchgehen, was ihre Verwandten wie erben sollen und welchen Besitz sie verschenken oder weiter geben möchten, machen wir uns über Liebespuppen weniger einen Kopf, was eigentlich nach unserem Ableben mit ihnen passiert.

Ich habe im letzten Jahr eine ziemlich schwere menschliche Enttäuschung in meiner Verwandtschaft erlebt und sie geht soweit, dass ich mir auch darüber Gedanken gemacht habe, wie ich meine Erbfolge anpassen werde. Neben den üblichen Fragen wie Lebensversicherungen und Eigentumswohnungen oder das Geld auf den Konto habe ich mir zum ersten Mal auch ernste Gedanken gemacht, was eigentlich mit meinen Liebespuppen passiert, wenn ich diese Welt verlassen sollte.

Normalerweise hält man diese Dinge für die Nachwelt in einem Testament fest und auch ich habe ein solches vor der Liebespuppe angefertigt und werde es nun überarbeiten. Doch wie erwähnt man eigentlich die Liebespuppen darin?

Bis auf einen guten Freund muss ich davon ausgehen, dass meine anderen Verwandten keinen Plan haben, was sie mit den Liebespuppen (Mechadoll Emilie und ein TeddyBabe Deluxe Carly) machen werden. Ich gehe davon aus, dass die diese in einem Wertstoffhof entsorgen werden. Doch ich möchte nicht, dass dieses Vermächtnis meines Lebens in einer Tonne im Müll landet.

Meine Liebespuppen werde ich einem Liebespuppenfreund vererben

Daher werde ich meine Liebespuppen an meinen guten Freund vererben, der selbst eine Liebespuppe liebt und sich mit der Materie auskennt. Er hat mir versprochen, sich ordentlich um die Liebespuppen zu kümmern und sie – wenn nötig – wenigstens in einem ehrenvollen Rahmen an Liebespuppenfreunde oder Bastler weiter zu geben.

Im Testament werde ich die Liebespuppen also an ihn vererben. Ich weis, das mag ein wenig merkwürdig klingen, aber wer würde so mit ähnlichen Wertsachen umgehen? Ich war noch nie ein Mensch, der nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ lebte und so werden auch die Liebespuppen einen ordentlichen Platz nach meinem Ende finden. Um die Anonymität mache ich mir keine Gedanken, weil auch ein schriftliches Testament mit entsprechenden Vorgaben seine Gültigkeit hat und man nicht unbedingt vor einem Notar dies kund tun muß.

Viele Menschen schämen sich für den Besitz ihrer Liebespuppen, verstecken sie und sagen sich: Wenn ich tot bin, ist es egal, was dann mit ihnen passiert. Doch ich möchte, dass mein Freund dann meinen Hinterbliebenden (die es wissen wollen) wirklich sagt, wer ich war und dazu gehört auch, dass sie wissen, wer meine Liebespuppen sind und was sie mir bedeutet haben. Dafür wird er sie für eine Weile in seine Obhut nehmen.

Die Erwähnung der Liebespuppen im Testament ist zur Zeit noch eine seltene Frage. Doch ich denke, sie wird mit den Robot – Sexpuppen in einigen Jahren an Thematik gewinnen. Die Liebespuppe wird bekannter werden und immer mehr Außenstehende werden ihren Wert erkennen und es wird zu Erbstreitigkeiten um ihren Verkauf oder Weiterbesitz kommen. Dann dürfte dieses Thema sicher noch mehr an Wichtigkeit gewinnen.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich auch hier für meine Zeit nach dem Tod vorgesorgt habe und dass meine Liebespuppen in Hände kommen, wo sich jemand mit der Materie auskennt. Jenny wird vielleicht mit mir in eine andere Welt gehen, aber die Liebespuppen bleiben und sie sind ein wichtiger Teil von mir gewesen, der nicht einfach in eine Tonne geworfen werden soll.