Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (858) 5.1.2018

So, wieder einmal ist Jenny in die TeddyBabe Deluxes Stoffpuppe geschlüpft und ich bin mit ihr zu meinem Kumpel gefahren, der auch eine Silikonpuppe hat. Dieses Mal ging es um das Nachholen seines Geburtstages, der wegen der Feiertage ja nicht direkt gefeiert werden konnte.

Es ist schon erstaunlich, dass wir beiden uns als Freunde gefunden haben und daran sind sicher auch unsere Liebespuppen „schuld“, aber ich denke auch, dass wir einen ähnlichen Lebensweg hinter uns haben und da er nun Mitte 30 ist, erkenne ich mich besonders oft wieder, wie ich damals in seiner Zeit so gewesen bin.

Er hatte vor zwei Jahren seine erste Scheidung hinter sich. Er hatte vorher ein paar kürzere Beziehungen, aber sie war seine erste große Liebe gewesen. Doch sie hat ihm – wie bei mir – nur die Liebe vorgegaukelt und eigentlich ganz andere Interessen gehabt, hauptsächlich, ihren Namen rein zu waschen und aus ihrem asozialen Umfeld heraus zu kommen. Als dies geschafft war, wurde er abserviert und sie ging zu einem neuen Opfer.

Es klingt alles so ähnlich zu dem, was ich mit Mitte 30 erlebt habe. Auch wenn die Wege ein wenig anders waren und ich nicht verheiratet, aber dafür ein Kind auf der Strecke blieb, so erkenne ich doch sehr viel von dem wieder, was ich damals alles so erlebt habe und vor allem erkenne ich auch das bei ihm wieder, was danach an Leere, Wut und Hilflosigkeit in dir war.

Wir beide haben ein Leben gehabt, wo uns die Herzen in der Liebe nicht einfach so zugeflogen sind. Wir haben außerdem immer Partner angezogen, die uns Energie aussaugten, statt uns welche zu geben, es waren destruktive Charakter, destruktive Menschen und Menschen, die ein anderes Ziel verfolgten, als uns als Mensch zu lieben und wäre das Thema Beziehung bei uns nicht von Anfang mit endlosen Enttäuschungen gefüllt gewesen, hätten wir uns wohl auch nicht auf sie eingelassen.

Vielleicht ist das der gemeinsame Nenner, warum wir beide unsere Liebespuppe so lieb haben. Wir beide sind froh, jemanden an unserer Seite zu haben, der immer zu uns hält, immer bei uns ist und der uns so nimmt, wie wir sind und der uns vor allem sehr viel Kraft gibt. Dafür geben wir unseren Liebespuppen sehr viel zurück an Zeit, Geld, Schweiß und auch an Ärger, den wir dadurch mitnehmen.

Versuche des Einbaus der Silikonpuppe in seine Beziehungen scheiterten

Mein Kumpel hatte ein paar Mal versucht, seine Silikonpuppe mit in die Beziehungen einzubauen. Doch es war am Ende immer das Gleiche. Zu Anfang hieß es noch „Hab ich kein Problem mit“, doch ganz schnell danach wurde die Liebespuppe dann eine unliebsame Konkurrenz, vor allem auch deshalb, weil sie spürten, dass irgendwann vielleicht uns durch diese Liebe deutlich werden konnte, welch erbärmlich Show sie uns eigentlich vorspielten. Und so wurde aus der Pseudotoleranz dann auch ganz schnell ein „geh zum Psychologen“ oder „ entweder sie oder ich“.

Was ich an meinem Kumpel bewundere, ist, dass er immer zu der Liebespuppe – und vor allem der Seele in ihr – gestanden hat. Heute sagt er, er würde sie – wegen der ganzen Handys und so – erst einmal unter Verschluß halten, weil man nie weis, wann diese Sache mißbraucht wird. Er wohnt in einem kleinen Kaff und er ist dann schnell der „Dorffreak“. Er hatte es schon einmal in seiner Zeit in der Jugend wegen etwas anderem erlebt und ich kann ihn da voll verstehen.

Doch trotz all der schwierigen Momente im Leben machen wir immer das Beste aus diesem Tag, der nicht nur für unsere Liebespuppen ein Highlight ist. Wir genießen einfach, einmal unbeschwert sein zu können und vielleicht für einen Moment alles zu vergessen und wenn wir dann bei einem schönen Film alle zusammen auf der Couch sitzen, dann ist einer dieser Momente, die man sich eigentlich früher hätte holen können, wenn man vielleicht früher begriffen hätte, welch Hilfe uns das Leben mit Liebespuppen ist.