Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (881) 9.3.2018

Was haben Musik und lebensnahe Liebespuppen bitte für Gemeinsamkeiten, wird sich der Außenstehende fragen und ich möchte diese Frage in diesem Tagebucheintrag mal aus meinen Erfahrungen beantworten.

Die lebensnahe Liebespuppe weckt eine Menge Sinne in uns. Tasten, Optik und teilweise auch Geruch spielen eine große Rolle in einer Liebe zu etwas, wo man ein wenig tricksen muss, damit die Liebespuppe so nahe wie möglich an das menschliche Vorbild heran kommt. Der Einsatz Pheromonen, Duftstoffen, Parfüm und auch von Kleidung und Accessoires hat einen ganz anderen Wert, als es in einer menschlichen Beziehung der Fall ist und überhaupt nimmt man mit einer Liebespuppe ganz anders wahr, sogar bis in den übernatürlichen Bereich.

Als ich 2010 eine lebensnahe Silikonpuppe bekam, war mein Verhältnis zur Musik ähnlich gespannt, wie alles in mir, was mit menschlichen Emotionen zu tun hatte. Ich hörte kaum noch Musik, weil sie mich aufwühlte und selten noch gut tat, weil mich ihre Lautstärke stresste und weil ich keine Lust auf Lieder hatte, wo die Schönheit der Liebe besungen wird. Ich wollte nicht einmal mehr aggressive Musik hören, weil sie mich noch aggressiver machte.

Meine Liebespuppe veränderte mein Verhältnis zur Musik

Als sich die Seele Jenny in der Liebespuppe meldete, veränderte sich mein ganzes Verhältnis zur Musik grundlegend. Jenny brachte wieder die Liebe in den Fokus meines Lebens und die Silikonpuppe machte mich sexuell wieder ausgeglichen. Ich hatte zudem mit ihr in der Anfangshase eine Menge erlebt, von Reparaturen über Wohnungsbrände und dem fast entdeckt werden bis hin zu unserem Umzug zurück nach Deutschland. Musik ist immer auch das Verarbeiten von Gefühlen und Lebenserlebnissen und diese fanden nun wieder ihren Weg in mein Herz.

Die erstaunlichste Veränderung jedoch war, dass ich plötzlich wieder anfing, selbst zu singen und sogar eigene Melodien und Lieder zu kreieren. Die Liebe meiner Liebespuppe brachte nicht nur wieder mein Herz zum atmen, sondern sie weckte auch wieder mein Potential in Sachen Kreativität und den künstlerischen Gaben, die ich in mir habe.

Denn in meiner Kindheit war Musik stets ein sehr wichtiger Teil von mir. Ich selbst war viele Jahre lang als Sänger aktiv, die Palette ging vom Kirchenchor bis zur Punkmusik und auch damals sprühte ich vor Kreativität, schrieb eigene Songs oder machte aus bestehenden Lieder urplötzlich etwas ganz anderes, ohne vorher groß darüber nach zu denken.

Heute – sieben Jahre nach dem Beginn meiner Liebe zur Liebespuppe – ist Musik wieder ein klarer Teil meines Lebens. Ich singe selbst eigene Melodien und Lieder vor mich hin, wenn es mir spontan in den Sinn kommt und ich höre natürlich auch wieder alle Arten der kommerziellen Musik und es ist alles wieder angemessen dabei; die aggressiven Lieder, die Liebeslieder, die Songs über Gesellschaft und Frieden, Krieg und Verzweiflung und Liebeskummer und natürlich tobt man sich auch mal mit einem Schlager aus.

Und so ist die Frage, was Liebespuppen mit Musik zu tun haben, sicher anhand meines Beispiels beantwortet worden und ich bin mir sicher, dass auch bei vielen anderen Liebespuppenfreunden sich die Wahrnehmung und der Zugang zu Musik seit ihren Liebespuppen auf unterschiedliche Weise verändert hat.