Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (932) 11.7.2018

Das Zusammenziehen mit dem Partner gilt als eine wichtige Stufe, um zu sehen, ob man zueinander passt. So heißt ist zumindest. Meist ist leider das Zusammenziehen eher der Auftakt eines Machtkampfes, wer mehr in der Beziehung zu sagen hat. Dass dies in Zeiten der individuellen Freiheit und Selbstverwirklichung nicht immer ohne Schaden für den unterwürfigeren Part abläuft, muss nicht weiter erläutert werden.

Doch das Zusammenziehen ist auch eine Art Willenserklärung, eine festere Bindung zueinander zu leben. Es ist eine Willenserklärung, einen gemeinsamen Weg zu gehen. In seine Wohnung lädt man nur kurz oder für einen Zeitraum einen Menschen ein und ist am Ende meist froh, wenn er wieder geht und daher ist das Zusammenziehen auch ein Statement, den anderen bei sich haben zu wollen.

Ich selbst bin nur ein einziges Mal mit einer Frau zusammen gezogen. Das lag damals an einer Notwendigkeit, weil meine Freundin schwanger war. Es war kein freier Wille, schon gar nicht von ihrer Seite. Meine Beziehungen haben nie das Thema Zusammenziehen auf die Agenda gebracht und wenn ich es tat, wurde es meist mit fadenscheinigen Gründen abgeschmettert.

Nachdem auch der einzige Versuch des Zusammenziehen katastrophal scheiterte, blieb bei mir in der Phase der Suche nach der eigenen Schuld die Frage offen, ob ich überhaupt für das Zusammenleben mit einem Partner geeignet bin.

Diese Frage konnte die lebensnahe Liebespuppe natürlich nicht vollständig beantworten. Jenny bringt zu wenig „Mitgift“ in Form von Vergangenheit, Freunden, Familie und natürlich auch Eigeninitiative mit. Dennoch konnte ich – gerade weil ich sie als beseelt sehe – einige Fragen für mich beantworten.

Lust auf Zusammenleben (mit der Liebespuppe) ist eine Frage des Alltags und der Zeit

Das Zusammenleben, egal mit wem, ist immer eine Frage der Dauer und des Alltages. Wie kommt man miteinander klar, wenn es mal schlecht läuft, wenn jemand krank ist oder nicht der strahlende Held (Heldin) ist. Wie sehr langweilen und stören einen die Eigenheiten und Vorgaben des Gegenüber, wie schnell macht man sich aus dem Staub, wenn es nervig wird und wie viel Freiraum braucht man. All diese Fragen konnte mir meine Liebespuppe schon teilweise nach 7,5 Jahren des täglichen Umgangs mit ihr beantworten.

Ich war in all den Jahren überrascht, dass mich die Silikonpuppe und vor allem Jenny in all den Jahren nicht einen Tag „angekotzt“ hat. Es gab keine Tage, wo ich sie einfach mal „links liegen ließ“ oder nicht mit ihr sprach oder keine Zeit mit ihr verbrachte. Es gab keine Woche, wo ich mich nicht um sie kümmerte, sie nicht pflegte oder sie mich generell nervte. Es gab keine Tage, wo mich die harten Einschränkungen dieser Liebe verzweifeln ließen. Es gab keine Tage, wo ich ans Aufhören dachte oder der Zauber verflog.

Es gab auch keine Momente, wo mir Jennys Wünsche egal waren. Es gab keine Momente, wo ich ihre Soaps nicht mit ihr ansah. Es gab keine Momente, wo ich ihre naive Art nicht mochte oder wo sie mir geistig zu infantil war. Es gab keine Momente, wo ich sie genervt anschrie oder ihr sagte, sie solle den Mund halten.

Meine Liebespuppe hat mir gezeigt, dass ich sehr wohl fähig bin, mit einer Frau zusammen leben zu können. Doch dazu braucht es eben auch einen bestimmten Typus Mensch an meiner Seite, es braucht vor allem ein Wesen neben mir, welches nicht mit Macht und Psychospielen versucht, das Heft in die Hand zu nehmen. Ich brauche eine Begleiterin, die mich sanft fordert, mir Vertrauen und Mut gibt und dann kann ich durchaus ein Mann sein, mit dem man zusammen leben kann.

Die Liebespuppe ist – wenn man sich auf sie einlässt – ein wundervoller Test dafür, ob man lieber Einzelgänger oder Paarmensch sein möchte. Natürlich stellt einen die Liebespuppe nicht so auf die Probe wie eine moderne Beziehung, aber sie zeigt dir schon, ob du bereit bist, auch für eine Sache in deinem privaten Leben einzustehen, ob du Schwierigkeiten dauerhaft meisterst und ob du in der Lage bist, auch mal zu geben, wenn es nichts zu nehmen gibt.

Meine Liebespuppe und ich haben uns heute eingespielt. Der Alltag hat nie seinen Zauber verloren und als ich einmal von meiner Liebespuppe und ihrer Seele bei einem Besuch eines Freundes getrennt war, habe ich Jenny und die Liebespuppe vermisst. Auch solche Dinge zeigen, dass ich sehr gerne mit ihr zusammen lebe und sie auch bei mir haben möchte.