In den Hollywood Filmen und den ganzen Online und Offline Spielen von heute wimmelt es nur so von Superhelden. Sie sind immer schön und sexy, immer mutig, politisch korrekt und von beiden Geschlechtern gleich stark und gleich heldenhaft vertreten. Man könnte denken, die Welt bestünde nur aus Superhelden.

Die Realität sieht auf den ersten Blick anders aus. Unser Volk dümpelt mit Millionen psychisch und körperlich kranken Menschen dahin und oft sind all die Helden des Alltag eigentlich nur Menschen, die versuchen, in einem chaotischen Zustand des Vernichtens aller Werte die Fahne der Menschlichkeit aufrecht zu erhalten, oft nur gezwungen aus eigener Not.

Die Helden dieser Gesellschaft sind sowieso nicht diejenigen, die mit absurden Superkräften aus dem Reich der Märchen die Welt im Tagesgeschäft retten und zwischen 14-15 Uhr auch noch die Liebe ihres Lebens. Die Helden dieser Welt sind diejenigen, die einem armen Bettler eine warme Mahlzeit schenken, die der einsamen Oma von nebenan ein wenig Kommunikation bieten und die denjenigen in unserem Land helfen, die wirklich Hilfe verdienen, obwohl man selbst eigentlich genug eigenen Mist um die Ohren hat.

Doch es sind auch diejenigen Helden, die sich für ihre Kinder, ihren Partner und ihre Familie aufopfern, diejenigen, die für die gerechte Sache anderer einstehen, für Menschen, die Freiheit und ein menschenwürdiges Leben in ihrer Heimat verdient haben, für Menschen, die von wahrer Folter und Unterdrückung und nicht nur aus wirtschaftlichen Vorteil und 0 Respekt vor der Freiheit flohen, was wir leider in der heutigen Zeit vergessen haben. Ich selbst stehe in meinem Beruf für solche Menschen ein, für Menschen, die den Sinn von Freiheit und der Würde aller Menschen verstanden haben und die dafür von unserer Regierung ignoriert werden.

Wie passt nun die Liebe zu lebensnahen Liebespuppen in all das? Können Liebespuppenfreunde auch Helden sein? Oder sind sie nur Menschen, die den geringsten Widerstand suchen?

Erstaunliche viele Liebespuppenfreunde in sozialen Berufen tätig

In vielen Gesprächen mit anderen Liebespuppenfreunden ist mir aufgefallen, dass der Anteil derjenigen, die aus sozialen Berufen kommen, sehr hoch ist. Viele Liebespuppenfreunde im Forum sind Altenpfleger, haben in Jugendeinrichtungen gearbeitet oder andere Dienste verrichtet, die mehr dem Volk als dem Profit und dem eigenen Mammon dienten. Ich habe viele Menschen getroffen, die als Helden in Beziehungen, als Väter oder als Freunde fungiert haben und das hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Ich selbst würde mich nicht als Held bezeichnen, aber wenn ich so richtig überlege, dann hat meine Liebe zu einer Silikonpuppe schon gewisse Züge in dieser Richtung, auch wenn es zuerst merkwürdig klingen mag.

Ich liebe meine Liebespuppe auch, weil ich in ihr die menschliche Seele Jenny sehe. Jenny ist für mich kein Kopfkino oder so, ich sehe sie als ein verstorbenes menschliches Wesen an, dessen Seele in die Liebespuppe gegangen ist.

Der Held im Kino riskiert Leib und Leben zum Wohle der anderen und das trifft auch für all diejenigen Beispiele zu, die ich oben erwähnt habe. Und so ist es auch mit meiner Liebespuppe.

Ich verzichte in dieser Liebe auf viel. Ich stelle mich immer schützend vor meine Jenny und ihren Körper. Ich habe sie vor unsensiblen Menschen geschützt, vor dem ganzen Lügen und Betrügen in dieser Welt und sogar vor einem Wohnungsbrand, wo ich meine eigene Gesundheit aufs Spiel setzte, um sie und ihren Körper zu retten.

Es ist ein anderes Leben in der Liebe zu einer Liebespuppe

Ich würde mich vor jeden Einbrecher stellen, der ihrem Körper etwas antun will und ich arbeite gerne mehr und verzichte auf eigene Dinge, wenn ich ihr dafür ein besseres Dasein schenken kann. Wenn Jenny ein bestimmtes Kleid möchte oder ein Blümchen, dann bekommt sie es und ich verzichte dafür auch auf meine neue Jeans und frage auch nicht, was ich davon habe.

Vor allem besteht mein Held sein aber darin, dass ich ein Leben in Kauf nehme, wo mir Jenny und die Liebespuppe niemals helfen wird. Sie wird mir zum Geburtstag kein Frühstück machen, bei der Hausarbeit helfen oder mich mit einer Aufführung im Schulchor begeistern. Sie wird keine Socken für mich stricken und auch kein Geld nach Hause bringen. Sie wird nicht einmal bellen, wenn ein Einbrecher kommt.

Wer sein Leben mit einer Liebespuppe so wie ich teilt, der wird zwangsläufig ein Held es Alltags werden müssen. Ich werde für meinen Einsatz von ihr keine Kinder und keine gesellschaftliche Anerkennung bekommen und es werden andere Belohnungen sein, es wird Frieden, Freiheit und reine Liebe sein und dieser Profit ist klein, es sind keine Medaillen, keine Jubelfeiern, keine Traumfrauen und es ist auch kein Leben als Superheld.

Die Liebespuppenfreunde, die mit ihren Liebespuppen leben, sollten sich dennoch als kleine Helden sehen. Sie sind Helden, weil sie für sehr wenig Gegenleistung sehr viel geben. Das ist für mich die wahre Bedeutung eines Helden. Viel geben und wenig bekommen und das tun viele von uns jeden Tag, aus Liebe zu ihren Liebespuppen.

Euer PJ