Werden wir durch lebensnahe Liebespuppen zu Hedonisten? Das ist die Frage, die ich heute in dieser Kolumne versuchen werde, ein wenig näher zu beleuchten.

Laut Wikipedia ist Hedonismus „Eine philosophische bzw. ethische Strömung, deren Grundthese lautet, dass einzig Lust bzw. Freude und die Vermeidung von Schmerz bzw. Leid ihre Wirkung intrinsisch entfalten. Im Gegensatz zu dem philosophischen Verständnis wird im alltagssprachlichen Gebrauch mit dem Begriff Hedonismus häufig eine nur an momentanen Genüssen orientierte egoistische Lebenseinstellung bezeichnet.“

Ich hatte ja in einer anderen Kolumne schon die Frage analysiert, ob wir durch Liebespuppen zu Egoisten werden und sie eher mit „Nein“ beantwortet, weil sich der Egoismus eines Menschen nicht nur über eine Liebe zur Liebespuppe definiert, sondern ein „Gesamtwerk“ des Lebens ist, das viele Bereiche umfasst. Doch Egoismus kann natürlich auch sein, Lust und Freude über alles andere zu stellen und nur noch danach zu leben.

Unsere Gesellschaft ist in den meisten Fällen Hedonistisch im Sinne, wie es Wikipedia in dem zweiten Teil beschreibt. Die Gesellschaft ist oft auf dem Weg von einem „Kick zum Nächsten“. Neben exzessiven Partys, Alkohol und Drogen ist natürlich auch Sex ein Ausdruck eines momentanen Genusses und Sex kann natürlich auch rein egoistisch ausgelebt werden, wenn man den richtigen Weg dazu findet.

Die Liebespuppe bietet dafür die allerbesten Voraussetzungen. Du kannst jederzeit ohne Konsequenzen Sex mit ihr haben, so wie du es willst und was technisch machbar ist. Du kannst mit der Liebespuppe sogar straffrei – sofern man es will – Dinge ausprobieren, die du sonst selbst in käuflichen Sex kaum machen könntest. Die Liebespuppe ist der einfachste Weg, in Sachen Sex Hedonistisch sein zu können.

Die Liebespuppe ist nicht immer nur spontaner Sex

Doch das ist nicht die einzige Seite der Medaille. Bei den günstigen Varianten der Gummipuppen mag dieser Ansatz in der Tat noch recht sinnvoll klingen, weil man sie im Grunde nach dem einmaligen Gebrauch entsorgen kann, sie wenig Geld kostet und keinerlei großen Aufwand bedarf. Gummipuppen sind leicht beim Dollpark und anderen Erotikanbietern zu kaufen und man kann sie bequem im Hausmüll entsorgen und weil sie leicht ist, kann man eigentlich auch alles mit ihr machen.

Doch bei den lebensnahen Liebespuppen aus TPE oder den Varianten aus Silikon sieht die Sache schon anders aus.

Nehmen wir als Beispiel einmal die schöne Silikonpuppe Leeloo. Sie gilt – neben einigen anderen Varianten – als das Optimum, was man an Liebespuppen bekommen kann. Sie sieht perfekt aus, ist lebensnah und lebensgroß, hat ein super Skelett und ihre Oralfunktion – und auch die anderen Varianten – sind top. Es gibt auch in Sachen Qualität wenig besseres in diesem Segment zu bieten und sie ist nicht umsonst mit Abstand die teuerste Liebespuppe im Dollpark.

Doch eine an momentanen Genüssen orientierte Lebenseinstellung funktioniert bei der Leeloo nicht auf Dauer. Sie wiegt über 40 kg, man muss die Besonderheiten des Silikons und ihre Einschränkungen in der Bewegung akzeptieren. Man muss Kraft aufwenden und planen, um guten Sex mit ihr zu haben. Auch das Reinigen, Pflegen und sie dauerhaft zu erhalten, ist nicht zu vernachlässigen. Wer kein Milliardär ist, wird nicht auf den Gedanken kommen, eine Leeloo Silikonpuppe nach einer Benutzung weg zu werfen, zumal selbst die Beschaffung von ihr ein ziemlicher Aufwand mit schweren Paketen ist auch eine fachgerechte Entsorgung nicht mal schnell nebenbei erfolgt.

Die Liebespuppe und die Erfüllung tiefer langfristiger Wünsche

Weil die Liebespuppe ein Kunstwerk ist und einige Dinge beachtet werden müssen, ist eine hedonistische Herangehensweise (in aktuellen Sinne) nur bedingt möglich. Bei einer Prostituierten zahle ich Geld, sie tut, was ich will, macht sich selbst sauber und geht danach wieder. Die Liebespuppe tut nichts von alleine und das ist etwas ganz anderes.

Es ist nicht umsonst so, dass gerade die Liebhaber lebensnaher Liebespuppen oft beginnen, sie als wertvoll und liebevoll zu betrachten. Die Liebespuppe braucht Aufmerksamkeit und sie weckt oft Areale in uns, die weg von einem reinen Konsum und in Richtung der philosophischen Betrachtung von Hedonismus gehen.

Nehmen wir mich einmal als Beispiel.

Die Liebespuppe ist für mich mehr, als nur das Erfüllen eines momentanen Genusses. Die Liebespuppe erfüllt oder befriedigt tiefe innere seelische Wünsche, Wünsche nach Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit. Diese Wünsche mögen sicher auch irgendwie egoistisch sein, aber es ist keine spontane Nummer eines spontanes Kicks, den ich brauche, sondern sie schafft eine innere Befriedigung in mir, die weit tiefer geht.

Das Fazit ist also: Die Liebespuppe kann uns zu Hedonisten machen, aber sie muss es nicht. Und gerade das macht ihren wundervollen Reiz aus, dass wir mit ihr erkennen können, wie sehr wir Hedonisten sind und wie weit nicht.