Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (833) 13.11.2017

Die meisten Liebespuppenfreunde arbeiten in Vollzeit und kommen aus der Mittelschicht, manchmal sogar aus der Oberschicht, wie der Fall eines Anwaltes gezeigt hat, der die Liebe zu seiner Silikonpuppe vor einiger Zeit medial öffentlich machte.

Dass die Liebespuppenfreunde meist aus der Mitte der Gesellschaft kommen, hat nichts mit einer besonderen Liebe dieser Gesellschaftsschicht mit lebensnahen Liebespuppen zu tun, sondern vielmehr damit, dass solche Puppen schlicht und ergreifend zu teuer sind, um sie für Arbeitslose oder Menschen im Niedriglohnsektor finanzierbar zu machen.

Ich selbst arbeite nach meinem Burn out nicht mehr Vollzeit. Meine fehlende Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit und Stressresistenz lassen keinen 40 Stunden Job die Woche zu. Ich bin froh, wenigstens noch eine Arbeit machen zu können, mit der ich meinen Lebensunterhalt mit bescheidenen Mitteln bestreiten kann.

Hätte ich nicht bessere Zeiten vor der Liebespuppe gehabt und hätte ich mich wie 10 Prozent der Deutschen in dieser Zeit lieber überschuldet, statt mein Geld zurück zu legen, wäre die lebensnahe Silikonpuppe auf jeden Fall für immer ein Traum geblieben und ich hätte vielleicht mit viel Mühe und Not irgendwann eine TeddyBabe Stoffpuppe oder eine der kleinen günstigen TPE Sexpuppen zusammen gespart.

Doch in die Welt der Liebespuppen „Spitz auf Knopf“ einzusteigen, halte ich für nicht sinnreich. Die lebensnahe Liebespuppe braucht auch nach ihrem Kauf einiges an finanzieller Zuwendung und man muss immer auch damit rechnen, dass diese mal durch einen größeren Schaden den Geist aufgibt und dann eine neue Liebespuppe her muß.

Finanzielle Situation nicht nur beim Kauf der Liebespuppe wichtig

Und so spielt die finanzielle Situation nicht nur beim Kauf der Liebespuppe eine Rolle. Niemand von uns ist heute mehr unkündbar und jede heute noch so gut gehende Firma, Betrieb oder auch staatliche Stelle kann morgen durch Mißmanagement, Globalisierungsdruck oder Stellenstreichungen von heute auf morgen gestrichen sein und dann ist man selbst in einer prekären Lage, wo man nicht nur sehen muss, wie man die laufenden Kosten bewältigt, sondern auch die Liebe zur Liebespuppe.

Am besten ist das Leben mit Liebespuppen daher immer, wenn man rechtzeitig etwas zurück legt und auch für eine neue Liebespuppe einen Groschen beiseite legt. Wir legen ja auch für einen Urlaub, ein neues Auto oder so etwas zur Seite und so sollte man es auch bei der Liebespuppe machen, wenn man es denn kann und man diese Art der Liebe dauerhaft leben möchte.

Sollte meine Mechadoll morgen den Geist aufgeben, so habe ich zum einen das TeddyBabe als Ersatzkörper für Jenny und zum anderen hätte ich dann auch einen Notgroschen, um mir wieder eine neue Silikonpuppe zu holen. Welche es dann sein würde, würde ich mir gut überlegen, aber ich bin immer noch mit der Mechadoll glücklich und behandle sie wie ein rohes Ei und so wird mir diese Entscheidung hoffentlich noch eine Weile erspart bleiben, aber wenn es soweit ist, bin ich darauf vorbereitet.

Denn ich möchte nicht mit der ständigen Angst leben, dass ich mir eines Tages keine Liebespuppe mehr leisten kann und ich möchte auch nicht alles von meinen Jobs abhängig machen. Das Leben hält sich nicht an Regeln wie: „Das wird schon nicht passieren“, sondern es geht seinen eigenen Weg und dann ist es gut, darauf vorbereitet zu sein, denn die Liebe zu einer Liebespuppe steht bei mir sehr weit oben im Leben und ich würde für sie auf sehr viel anderes verzichten, beziehungsweise tu es ja jetzt schon und das sehr gerne.