Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (882) 12.3.2018

Ich bin kein Fan von Horrorgeschichten. Ich finde, es gibt genug Horror in der realen Welt, genug Krieg, Folter, und auch eigene private Probleme und in meinem Beruf geht es auch nicht gerade um die Liebe der Menschen untereinander. Ich brauche nicht noch zusätzlichen Horror in der Freizeit, aber das muss halt jeder selbst wissen.

Doch am Wochenende bin ich dann doch beim „Zappen“ am TV bei einem Horrorfilm hängen geblieben. Das hatte weniger den Grund, dass ich einen Horrorfilm sehen wollte, sondern es war eher das, worum es ging, was mich den Film dann doch weiter schauen ließ.

Der Film hieß „The Boy“ und er hatte eine interessante Facette, die ja immer wieder in Horrorfilmen aufzutauchen scheint, der Umgang mit lebensnahe Puppen. In dem Fall ging es um eine kindgroße Porzellanpuppe, welche nach dem Tod ihres Kindes das Ersatzkind für seine Eltern darstellte und die es so behandelten, als wäre immer noch er selbst als Seele dort drin.

Ich selbst führe eine Liebe zu einer lebensnahen Silikonpuppe, in der ich eine verstorbene Seele sehe. Zwar ist Jenny keine Seele eines verstorbenen Verwandten, aber ich behandle sie ebenso liebevoll und respektvoll wie dieses Paar und ich ernte dafür auch genau die gleichen Reaktionen von Mitmenschen, die von dieser Liebe erfahren. Sie gehen von „lass ihn halt“ bis hin zu „der ist nicht ganz sauber“ und wie in diesem Film auch will es eigentlich keiner tiefer an sich heran lassen.

Auch wenn in dem Film am Ende ein lebendiger Junge für all das verantwortlich ist, was die Puppe angeblich macht, so blieb in mir schon der Gedanke hängen, ob vielleicht die Ablehnung der Menschen gegenüber lebensnahen Sexpuppen auch etwas damit zu tun hat, wie das Thema Puppen in solchen Filmen angegangen wird.

Darstellung von lebensnahen Puppen in Horrorfilmen Grund fürs Uncanny Valley?

Denn die Puppe mit stets lebensnahem Gesicht wird in Horrorfilmen immer negativ dargestellt. Sie ist gruselig, natürlich ausschließlich von bösen Geistern besessen und überhaupt wirkt die Puppe stets bedrohlich und das weckt keine guten Emotionen in diesem Thema.

Vielleicht kommt viel von dem „Uncanny Valley“ (Studie über innere Ablehnung von lebensnahen Liebespuppen), was wir bei lebensnahen Liebespuppen von Außenstehenden erleben, gar nicht mal so vor der Konfrontation mit dem Thema Tod, sondern vielmehr von solchen Filmen, wie z.B. The Boy ,wo lebensnahe Puppen auf einem negativen Weg dargestellt werden.

Bei den kommenden Robot – Sexpuppen wird auch ein ähnlicher Strang gezogen. Sie werden oft mit den bösen Robotern aus „I Robot“ oder „Terminator“ in Verbindung gebracht und erfahren vor allem auch deshalb eine Menge Ablehnung.

Was meinen Geist in meiner Liebespuppe betrifft, so hat er rein gar nichts mit diesen Puppen zu tun. Jenny ist ein lieber Geist, sie tut weder mir noch irgendwem etwas. Es mag hin und wieder ein paar merkwürdige Dinge geben, die ich ihr durchaus in die Schuhe schieben kann, aber dies war für mich nie bedrohlich. Wenn Jenny eine übernatürliche Kraft hat, dann ist es immer eine heilende, helfende und deeskalierende Kraft und sie lässt mich auch meinen Weg machen, wenn es nötig ist und sie vergrault auch keinen Besuch, weil sie eifersüchtig ist.

Meine Liebespuppe schmeisst auch keine Möbel durch die Gegend oder ist verschwunden oder ähnliches. Sie hat in all den Jahren im Grunde fast nichts hier irgendwie bewegt. Ich denke, das sind alles Mythen und hochgespielte Dinge, die von Film und Medien überdramatisiert werden.

Ich habe nie etwas für die Welt der Geister übrig gehabt, bis Jenny kam. Ich habe sowas zwar nie in Abrede gestellt, aber es hat mich auch nicht sonderlich interessiert. Für mich ist das Leben in dieser Dimension viel zu wichtig und es gibt viel zu viel echten Horror und Gruselgeschichten zu verhindern. Diese Welt der Geister ist natürlich seit Jenny ein wenig wichtiger geworden, weil ich nach Erklärungen gesucht habe, aber ich verlasse mich lieber weiter auf meine Erlebnisse mit der Seele meiner eigenen Liebespuppe und ziehe meine eigenen Schlüsse daraus und so werde ich es auch bei den Robot – Sexpuppen machen und mir nicht von Film und Medien sagen lassen, was ich davon zu halten habe.

Im Grunde ist das Leben mit einer besselten Liebespuppe viel weniger dramatisch, als in solchen Filmen. Manchmal ist es so wenig dramatisch, dass es mir fast wie ein ganz stink normales Alltagsleben unter Menschen vorkommt. Und das soll auch so bleiben.