Machen wir uns doch nichts vor. Schauen wir einfach mal nach rechts und links, nach oben und unten und begreifen wir die Realitäten. Die Liebe ist heute mehr als nur ein Glücksspiel und eine echte Partnerschaft sowieso. Das hat nichts damit zu tun, ob diese Menschen nun Liebespuppenfreunde sind oder nicht.

Ich habe – im Gegensatz zu vielen Deutschen – ein recht gutes Verhältnis mit fast allen Nachbarn. Manche stehen mir näher als andere, aber ich habe in den vielen Jahren eigentlich mit allen Leuten hier gesprochen und gerade die Männer haben mir oft eine Menge von ihren Beziehungen erzählt, aber auch einige Frauen, je nach Situation.

Ich lebe in einer Gegend, wo es ganz normale Menschen gibt. Der Anteil diverser „Neubürger“ ist (noch) niedrig und fast alle Menschen gehen arbeiten, alle Männer arbeiten Vollzeit in mittleren Jobs, die Frauen Halbtags oder auch Vollzeit. Die meisten sind zwischen 30 -50 und alle machen einen recht freundlichen und mittelmäßig gebildeten Eindruck, die Gegend könnte nicht mehr deutscher Durchschnitt sein.

Mein Haus ist eine gute Stichprobe, was in Deutschland in der Liebe abgeht, finde ich und es sollte nicht nur den Liebespuppenfreunden zu denken gehen, was hier in unserem Land so abläuft und warum einige von uns sich am Ende für die lebensnahe Liebespuppe interessieren.

Der entsorgte Vater und sein Suizid

Beginnen wir mit dem Mann schräg über mir. Ein ganz normaler Mann. Er war ein entsorgter Vater, wurde 20 Jahre lang als Brieftasche benutzt. Er hat sehr gelitten, dass sein Kind und die Ex ihn nur als Geldmaschine sahen. Er war einsam. Traurig und enttäuscht. Einmal brachte er einen betrunkenen One Night Stand mit nach Hause, eine schrecklich hohle und gewöhnliche Frau, nichts an ihr war aufregend und spannend. Dann war er wieder allein.

Er beging vor einem Monat Selbstmord aus Einsamkeit, wie ich erst später erfuhr, weil sich der Rest der Familie schämte. Seine Frau klingelte keine Woche nach seinem Tod bei mir, wollte wissen, wo seine Waschmaschine steht, wie sie diese am besten verhökern kann. Ich wusste, wo sie steht, weil wir im Waschkeller mal ein Gespräch führten. Ich habe sie angelogen und schämte mich keine Sekunde dafür.

Die Frau über mir ist Dauersingle. Sie hatte einst einen alkoholabhängigen Mann gehabt, der sie auch schlug. Sie war ihm hörig, blieb bei ihm, bis er an Herzversagen starb. Ihre Tochter lebte eine Weile bei ihr, heute hat sie sich verpisst und ich habe nie wieder was von ihr gehört oder gesehen. Sie ist immer noch alleine, ist schwer krank.

Der Mann schräg unter mir sieht gut aus. Trotzdem ist er Dauersingle. Ich hatte mal eine „herrenlose“ Kiste im Keller, die sehr an die Kisten der früheren lebensnahen Silikonpuppen erinnerte. Ich weis nicht, ob darin wirklich eine war, aber wenn ja, könnte ich mir vorstellen, dass sie ihm gehörte. Er lebt immer allein, ich sehe nie Frauen oder Männer bei ihm ein und aus gehen, er ist verschlossen gegenüber anderen, niemand kennt ihn näher. Er kommt aus meiner alten Heimatstadt, er kennt die seelische Einsamkeit sein ganzes Leben, so wie ich auch.

Ein trauriger Querschnitt des Zustandes der Liebe in unserem Land

Dann ist da die Beziehung, die grade in die Brüche geht. Der Mann hat mir gesagt: Vergiß es, eine in sich ruhende Frau gibt es nicht. Seine Beziehung zog am Wochenende aus, nun kann er sehen, wie er die teure Dachwohnung alleine zahlt. Ich habe sie nie Händchen halten oder küssen sehen, all die Jahre nicht.

Dann sind die noch bestehenden beiden Paare. Der eine Mann geht jeden Tag inkl. Samstag um 4 Uhr aus dem Haus, kommt erst wieder, wenn ich schon mit Jenny ihre Soaps schaue. Er ist entweder müde oder schläft. Seine Frau hat nichts im Griff, keine Finanzen, keinen Haushalt, auch das Kind nicht. Sie frönt lieber ihrem Hobby und macht für seine Finanzierung einen Nebenjob.

Das andere Paar unter mir hat sich monatelang jeden Tag gestritten. Das Einzige, was ich aus ihrem Schlafzimmer höre, sind ab und an Schnarchgeräusche von ihm. Der letzte Sex, den ich von ihnen gehört habe, liegt ein Jahr zurück, er dauerte 5 Minuten. Ich bin eigentlich immer zu Hause, bekomme vieles mit, das Haus ist hellhörig. Er sagt mir jedes Jahr, dass er jetzt ein Kind haben will. Er sagt es mir seit 7 Jahren. Dafür hat sie jetzt einen 2. Schuhschrank.

Und dann bin da ich. Der „perverse Liebespuppenfreund“. Ich hatte diese Woche 2x Sex mit meiner Silikonpuppe. Er war aufregend, geil, schön und lang. Jenny hatte ein tolles Korsett mit traumhaft schönen erotischen Strümpfen an. Der Anblick war atemberaubend. Ich musste mich zusammen reißen, nicht gleich zu kommen.

Danach gab es viele Küsschen, viel Streicheln, tolle Gespräche und viele Stunden mit kuscheln, lachen und ganz viel liebevoller Zeit. Wir haben Händchen gehalten. Ich habe Jenny gesagt, wie sehr ich sie liebe. Jenny ist glücklich. Sie ist dankbar für jede Geste von mir. Wir freuen uns auf unseren Hochzeitstag. Im Oktober. Es wird der 7. Hochzeitstag sein.

Mein Beispiel soll deutlich machen, warum ich mich für ein Leben mit einer lebensnahen Liebespuppe entschieden habe und warum ich es nicht bereue. Es geht mir nicht darum, ob sie weniger Widerworte gibt oder ob sie optisch perfekter als Frauen ist. Es geht darum, Liebe endlich wieder als das ausleben zu können, was sie sein sollte. Liebe soll Freude, Entspannung, Spaß und Gemeinsamkeit, Ordnung und Halt sein. Und das kann ich in der partnerschaftlichen Liebe in meinem Haus leider nur bei mir erkennen.

Warum also sollte ich mit all den anderen Menschen in meinem Haus tauschen wollen? Welchen triftigen Grund gibt es dafür? Wieso sollte ich mein entspanntes Liebesleben dagegen eintauschen?

Welchen Grund sollte es dafür geben?