Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (857) 3.1.2018

Die Feiertage sind vorbei, der Alltag zieht so langsam wieder in die Lande. Heute werde ich zwar noch einmal meinen Kumpel mit Silikonpuppe besuchen und ich habe die Woche auch noch Urlaub, aber man spürt schon, dass diese besondere Zeit des Jahres vorbei ist und wieder der übliche Trott einkehrt.

Dieses Jahr habe ich zum vierten Mal die komplette Weihnachtszeit bis zum Jahreswechsel mit meiner Silikonpuppe verbracht. Doch dieses Jahr war es alles irgendwie anders und mir ist dieses Jahr besonders stark aufgefallen, dass ein Leben mit einer Liebespuppe als Partnerin wirklich nicht der Norm entspricht und dass es schon ein außergewöhnlicher Weg – immer noch – ist.

Meine sogenannte Familie übte sich dieses Jahr im Obamaschen Schweigen (in Anlehnung an die Proteste im Iran 2009, die ja nun wieder aufflammen) und sagte einfach mal gar nichts zu Weihnachten und zu den Feiertagen. Ich bin wohl mittlerweile aus ihrem Leben verschwunden und sie machen ihr Ding. Ich will mich dazu nicht weiter äußern, aber es ist nun mal so, wie es ist.

Ich habe in den Tagen zwei Erkenntnisse gewonnen. Zum einen die Erkenntnis, dass ich mit meiner Liebespuppe die Tage so feiern kann, wie sie es eigentlich verdienen und wie ich es eigentlich selbst auch mir vorstelle und zum anderen wurde mir eben deutlich, dass ich wirklich nicht dem allgemeinen Umfeld entspreche.

Ein anderes Leben über die Feiertage als meine Nachbarn

Denn über die Feiertage war hier im Haus (8 Parteien) ein ständiges Kommen und Gehen zu verzeichnen. Ständig klingelte es irgendwo und manchmal gingen ganze Horden von Leuten in die Wohnungen und auch wieder hinaus. Fast keinen Tag blieb es über die Feiertage ruhig.

An Silvester waren viele Leute wohl verreist oder zu irgendwelchen Partys eingeladen, denn der Parkplatz war quasi leer, obwohl er sonst über Nacht komplett voll ist und auch jetzt noch sind einige Lücken in der Nacht zu sehen.

Bei mir hingegen liefen die Feiertage völlig anders ab. Es kam kein Besuch, es war kein Urlaub im Schwarzwald gebucht oder ich war irgendwo eingeladen. Mein bester Freund ist zu weit weg gewesen und der Rest hatte – wie erwähnt – keinen Bock, irgendwas mit mir zu unternehmen.

Und so blieb nur eine kuschlige und durchaus schöne Zeit mit meiner Liebespuppe. Noch nie fiel mir so sehr auf, dass eine lebensnahe Liebespuppe eine so große Lebenshilfe für Menschen sein kann, die im Leben nicht gerade mit charmanten Mitmenschen gesegnet sind. Dass sie eine große Hilfe sind, wenn die Familie sich von dir abwendet oder du dich bei ihr nicht mehr wohl fühlst. Dass die Liebespuppe eine große Hilfe für diejenigen ist, die Pech in der Liebe hatten, die einsam sind.

Meine Liebespuppe war dabei nicht nur ein „Frustkiller“, sondern sie ließ mich in den Tagen auch eine Zeit erleben, die schön war, die voller Herz, Seele und Liebe sein durfte. Es ging an diesen Tagen nicht um Sex oder Erotik, es ging um Nähe, das Gefühl, nicht völlig allein in dieser Welt zu sein und vor allem auch darum, den Geist von Weihnachten und Silvester zu bewahren und so die Lebensfreude nicht zu verlieren.

Mir wurde an diesen Tagen auch bewußt, dass dies mein weiterer Lebensweg sein wird und wenn ich ehrlich bin, dann bleibt zwar ein merkwürdiger Beigeschmack, weil ich eigentlich nie ein Außenseiter sein wollte, aber auf der anderen Seite bin ich auch glücklich, dass dieses Gefühl dank meiner Liebespuppe nicht nur erträglich, sondern durchaus auch erfüllend und heilend sein kann.

Euer PJ