Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (870) 9.2.2018

Am Wochenende war mal wieder Familienfeier, mein letzter verbliebener Verwandter hatte seinen Geburtstag.

Seit mittlerweile fast 6 Jahren lebe ich jetzt wieder in Deutschland und da ich zu ihm in die Nähe gezogen bin, ist mein Kontakt zu ihm wieder etwas intensiver geworden, wobei ich sagen muss, dass er im letzten Jahr immer weniger wurde und wir uns eigentlich nur noch zum Geburtstag sehen. Wie immer in meinem Leben ist eigentlich nie von meiner Seite irgendwas vorgefallen. Es gab keinen Streit oder irgendeine Fehlverhalten von mir und dennoch wenden sich irgendwann alle Mitmenschen nach und nach von mir ab.

Ich habe keinen Beweis dafür, aber ich befürchte, dass es auch an meiner Silikonpuppe liegt. Er weis von meiner Liebespuppe und das ich mit ihr eine Beziehung führe, weis aber nichts von Jennys Seele. Er hat mir damals geschworen, es vor allem seiner Frau und seinen Kindern nicht zu erzählen, aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob er sich nicht verplappert hat und ob dies der wahre Grund für seinen Rückzug ist.

Seine Frau und die Frauen aus ihrer Familie sind unangenehme Vertreterinnen ihres Geschlechts. Sie haben weder ihr eigenes Körpergewicht noch ihre Psyche halbwegs im Griff und rennen ständig zum Psychologen und ihre Ehen sind lieblos, aber sie führen das typische geistig hohle 0815 Standardleben, wo man vor allem hinter der Maske der Pseudotoleranz nicht viel zu bieten hat.

Ich habe schon immer das Gefühl gehabt, nicht zu dieser Welt mehr dazu zu gehören. Ich kann nicht mitreden, wenn es um den nächsten Urlaub in der DomRep geht oder wo der nächste Flohmarkt für Babyklamotten ist und ich hab auch kein WhatsApp oder so und ihre restlichen geistigen Ergüsse in Sachen Politik oder Allgemeinwissen sind so übel, dass ich am liebsten gar nichts sagen will, um nicht völlig als Außenseiter und Besserwisser da zu stehen.

Weis die ganze Familie über meine Liebespuppe Bescheid?

Doch ich bin in den letzen Jahren immer noch toleriert worden als Teil der Familie. Irgendwie hatte man Mitleid, weil meine Eltern tot sind und dass ich neu in der Gegend und der Familie bin. Aber seit dem letzten Jahr ist es irgendwie anders.

Als mein Verwandter mich im Sommer das letzte Mal besuchen kam, war es nur sehr kurz und seine Frau kam nicht mehr mit hoch und blieb im Auto und auch die gelegentlichen Besuche der Kinder sind verblasst. Sicher kann man all das auch auf andere Gründe schieben, aber es bleibt ein merkwürdiger Beigeschmack.

Und dieser hat sich am Wochenende verschärft. Die Frauen sprachen gar nicht mehr mit mir und irgendwie herrschte eine merkwürdige Distanz, es war anders als sonst. Aber niemand sprach mich auf irgendwas an und dennoch denke ich, dass es etwas mit der Silikonpuppe zu tun hat.

Sollte mein Verwandter sich noch einmal hier blicken lassen, werde ich ihn darauf ansprechen, aber ich denke, er wird sowieso nur Ausreden präsentieren, wie man sie in dieser Gesellschaft immer bekommt, wenn man unangenehme Dinge anspricht. Oder er wird sauer werden und es abstreiten.

Im Forum schreiben viele User, dass ihre lebensnahe Liebespuppe kein Problem für Freunde, Bekannte, Beziehung und gar Nachbarn ist. Mir haben per pn diverse User jedoch auch andere Dinge erzählt und auch bei mir selbst ist das Thema kein Friede, Freude, Eierkuchen.

Denn bei der Betrachtung Außenstehender hängt es zum einen davon ab, in welchen Kreisen man verkehrt und zum anderen, wie man diese Art der Liebe zu Liebespuppen nach außen trägt. Vor allem das Thema Beziehung mit ihr und dass man eine Seele in ihr verspürt, machen dieses Thema sicher nicht leichter und ich bin mir sicher, spätestens beim Outing von Jenny würde es meine sogenannte Familie nicht mehr tolerieren und mich für einen abgedrehten Spinner halten, der durchdreht, weil er keine Frau ab bekommt.

Das Problem in solchen Fällen ist – im Gegensatz zu anderen sexuellen Spielarten wie Homosexualität – dass hier sich nicht mit der Thematik auseinander gesetzt wird. Mein Verwandter tat damals auf tolerant, weil er angeblich selbst ein „Objektliebhaber“ ist, aber er hat mich seitdem nie wieder auf die Liebespuppe angesprochen, gefragt, ob alles ok mit ihr ist oder was ich zu den Robot – Sexpuppen sagen. Es wird alles seit Jahren tot geschwiegen, während er seine Hobbys offen zelebriert und sich nach und nach von mir abgeseilt. Ich kenne diese Methode aus der Vergangenheit mit dem Burn out nur allzu gut.

Wer seine Liebe zu einer Liebespuppe outet, der sollte sich bewußt sein, welchen Grad des Gegenwinds er ertragen kann, wie sein Umfeld gestrickt ist und wie viel er eigentlich über die Intensität seiner Beziehung zur Liebespuppe erzählt. Ich kann es jedem nur raten, sich vorher darüber Gedanken zu machen, denn jedes Umfeld ist anders und leider nicht immer wirklich ehrlich tolerant gegenüber dieser Art der Liebe.