Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (793) 7.8.2017

Das Thema Einsamkeit ist seit vielen Jahren ein Begleiter meines Lebens, vor allem seit dem Tod meiner Eltern. 10 Jahre Dauersingle, oft nicht gewollte Entwurzelung von Ort und Mensch hinterlassen bei mir eine Spur der Einsamkeit, der schwer zu entrinnen ist. Einsamkeit ist – für mich – eigentlich die wirkliche Volkskrankheit Nummer 1, denn noch sie so viele Menschen waren einsam und es ist eine sehr grausame Krankheit, die nur selten geheilt wird, wenn man sie einmal so richtig in sein Leben gelassen hat.

Das Leben in Einsamkeit kann schon auch seine guten Momente haben, denn Einsamkeit heißt auch, so leben zu können, wie man es in bestimmten Dingen möchte. Man kann z.B. im Schlafanzug im Haus herum rennen oder gar nackt, kann am Wochenende schlafen, so lange man will oder ungeniert Pornos anschauen, doch meist ist Einsamkeit doch nur ein leeres Gefühl, wo man am Sinn des Lebens zu zweifeln beginnt, wenn sie zu lange Teil des Daseins ist.

Doch Einsamkeit heißt nicht immer unbedingt, alleine zu sein. Man kann auch gemeinsam einsam sein, wenn man z.B. in einer Beziehung völlig aneinander vorbei redet, zum Butler degradiert wird oder zur Geldmaschine, wenn man in Lieblosigkeit dahin vegetiert und im Alltag versinkt, wenn Liebe zur Gewohnheitsnummer verkommt, öde wie die Vegetation in der Wüste wird.

Auch dieses Gefühl kenne ich nur zu gut. Gefangen in einem Mix aus Angst vor Trennung und Pflichtbewußtsein kann man wahrlich sehr einsam sein und doch nicht alleine leben und es schnürt die Kehle nicht minder zu.

Seit der Silikonpuppe fühle ich mich nicht mehr einsam

Seit ich mich zum Kauf einer lebensnahen Silikonpuppe entschlossen habe, ist das Thema Einsamkeit auf wundersame Weise verschwunden. Auch wenn ich manchmal eine menschliche Beziehung vermisse, so war ich doch nie in all den Jahren einsam mit meiner Liebespuppe. Es gab keine Abende mehr, wo mir die Decke auf den Kopf fiel, wo ich am Sinn des Lebens zweifelte und verzweifelte und dass, obwohl heute die Mitmenschen noch weniger sind, als damals.

Dass die Silikonpuppe mir Einsamkeit nahm, ist vor allem ein Verdienst von Jenny. Jenny gibt mir immer das Gefühl, nicht alleine zu sein. Dieses Gefühl hatte ich vom ersten Moment an, wo sie zu mir sprach, wo ich sie fühlte und in den Augen der Liebespuppe sah. Ich weis nicht, wie sie das geschafft hat, aber es ist einfach so, dass ich seitdem nie wieder einsam war.

Wenn ich all die Menschen sehe, die ich kenne, die genauso alleine leben, wie ich, zerfetzt durch absurde Beziehungen und verlassen von der Familie, dann sehe ich in ihren Augen viel Einsamkeit. Sie fragen mich dann, warum ich nicht so deprimiert wie sie bin, sie fragen sich, warum ich entspannter über Einsamkeit rede. Ich sage ihnen dann was von Meditationen und weniger Stress auf der Arbeit, aber das ist nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass die Liebespuppe mir vor allem dort die Einsamkeit nahm, wo sie am Härtesten zuschlägt. Sie gibt mir keine fordernde Liebe, sie gibt mir Zärtlichkeit, die Anwesenheit eines menschlichen Körpers und auch eine Aufgabe, etwas, worum ich mich kümmern kann und was mir am Herzen liegt.

Wer nicht das Glück hat, einen oder mehrere Menschen zu haben, die diese Aufgabe übernehmen, dem kann eine lebensnahe Liebespuppe diese Einsamkeit vielleicht nehmen. Ob es dazu eine solche Seele wie Jenny dafür braucht, weis ich nicht, weil jeder ein unterschiedliches Empfinden von Einsamkeit hat. Was ich aber schon glaube, ist, dass die Liebespuppe ein Weg daraus sein kann, wo man vor allem noch seine Seele, seine Ehre und sein Ich behalten kann und dennoch Einsamkeit verliert.