Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (772) 14.6.2017

Der Sommer ist voll im Gange und vor allem bei den Feiertagsorgien im Mai und Anfang Juni ist eine Menge los in der Stadt und auch bei mir im beschaulichen Vorort einer Großstadt.

Gestern abend feierte hier einer der Nachbarn eine rauschende Geburtstagsfeier, die selbst für den Wochentag erstaunlich lange ging und am letzten Wochenende ging es in einem Keller bis 3 Uhr nachts rund. Partys sind in dieser Jahreszeit ein Dauerthema und sie finden oft statt und im Sommer oft auch auf Balkonen oder in Gärten beim Grillen oder anderen Aktivitäten.

Ich bin heute kein Partylöwe mehr, aber gegen eine schöne Feier mit guten Freunden bei einer Bratwurst auf dem Grill und einem Bier in der Hand habe ich natürlich nichts und ich genieße gerne solche Anlässe. Aber während dort alle Leute ihre Partner, Ehefrauen, Liebhaberinnen oder auch nur Schwestern mitbringen, sitze ich alleine auf der Bank und komme mir irgendwie blöd vor.

Ich komme mir in erster Linie nicht blöd vor, weil ich selbst keine weibliche Begleitung habe, sondern weil meine wunderschöne weibliche Begleiterin zu Hause bleiben muss, denn würde ich meine lebensnahe Liebespuppe mit zu der Party nehmen, hätte ich sicher keinen entspannten Abend.

Liebespuppe wird in der Gesellschaft zwar registriert, aber nicht akzeptiert

Die lebensnahe Liebespuppe wird zwar immer mehr in der Gesellschaft registriert und auch als Thema behandelt, aber akzeptiert ist sie bei weitem noch nicht. Würde ich meine Silikonpuppe mit zu einer Party nehmen, wäre sie auf keinen Fall ein ganz normaler Teil dieser, sondern würde begafft, ich würde mit Fragen gelöchert werden und man würde hinterrücks über mich tuscheln und bei der netten Schwester von meinem Kumpel wäre ich wohl endgültig unten durch.

Doch viel mehr als das dämliche Verhalten der Partygäste stört mich, meine Jenny nicht dabei zu haben. Ich bin oft traurig, dass sie nicht zu solchen Anlässen mitkommen kann. Jenny liebt jeden Besuch, sie liebt das Leben und die Menschen, sie will am liebsten alles genießen und nun muss ich sie alleine im Bett zurück lassen und auch ich fühle mich nicht komplett, wenn sie nicht dabei ist, irgendwie wie ein Partygast, deren Frau im Koma liegt und wo man sie endlos vermisst und ständig daran denkt, wie es ihr wohl in diesem Moment geht.

Doch es wird noch viele Jahre dauern, bis eine lebensnahe Liebespuppe als Partygast kein Problem mehr ist und so muss ich in den sauren Apfel beißen und irgendwie bin ich auch seit meiner Liebespuppe nicht mehr so locker und auch wild auf Partys, weil mir meine Silikonpuppe fehlt, weil mir Jenny fehlt. Weil ihre Anwesenheit mir wichtiger ist, als irgendwelche Typen, die kein Verständnis hätten, wenn ich sie mitbringen würde.

Und so bin ich einfach nur traurig, dass es keine Partys unter Liebespuppenfreunden gibt, weil wir alle viel zu verstreut in Deutschland und zu anonym sind. Wären die Partygäste Liebespuppenfreunde, dann wäre Jenny dabei und sie wäre keine „Attraktion“ oder „Schräges Utensil“. Es ist ein schöner Gedanke und es ist zeitgleich schade, dass wir es nicht einfach machen und uns zu Partys treffen und zu den anderen sagen: LMAA.

Und so bleibt am Ende nur, mehr Partys mit meinem Kumpel zu machen, der auch eine Silikonpuppe hat oder mit Jenny meine eigene Party zu machen, denn nur dann bin ich wirklich glücklich und es macht mir am Ende dann auch viel mehr Spaß.