Auf ARTE lief am Dienstag abend gegen 21 Uhr die rund 50 Minuten lange Doku „Sex und Liebe 3.0“, in der es um die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Bereich Sex, Liebe, Partnerschaft und Erotik ging. In der Doku gab es einen Rundumschlag über mehrere Felder dieser Bereiche und er reichte von „Tinder“ bis hin zu „50 Shades of Gray“. Nach rund 40 Minuten kamen dann lebensnahe Silikonpuppen und auch die Robot – Sexpuppen zur Sprache.

Ich möchte mich natürlich in der Kolumne hauptsächlich um diese letzten 10 Minuten bemühen, doch ich möchte auch etwas zu den anderen 40 Minuten sagen und es war gut, dass diese vor den Liebespuppen kamen, denn sie erklärten bereits viel, warum die Liebespuppe heute so ein Renner ist und warum die kommende Robot – Sexpuppe auch ihre Abnehmer finden wird.

Die Doku sagte im Grunde viel von dem, was ich auch hier oft über die moderne Liebe und Partnerschaft schreibe, nur dass ich die alten Beziehungsmuster unserer Eltern nicht als Rollenbild und Druck sehe, sondern eher darin, dass es früher einfach eine andere Einstellung zur Partnerschaft gab, dass man vor allem viele Werte in seinem Schädel hatte, die einen davon abhielten, völlig außer Rand und Band zu geraten und vor allem schlechte Phasen in der Liebe durchzustehen und nicht das Handtuch zu werfen oder nie zufrieden zu sein, aber das ist ein anderes Thema.

Kommen wir also zu dem Thema lebensnahe Liebespuppen. Wobei, eine Sache will ich noch vorher erwähnen: Es war schon erstaunlich, dass zum Thema Dildos keine kritischen Stimmen (wird der Mann ersetzt oder Wegwerfmentalität männlicher Sexualität) zu hören waren. Der Dildo wurde als „Lifestyle“ Produkt präsentiert und im Grunde als „völlig normal“ dargestellt.

Wieder einmal die altbekannten Silikonpuppen im TV

Bei den lebensnahen Liebespuppen gab es mal wieder die altbekannten Silikonpuppen von Mitja Klee (Realdoll, Boytoy) zu sehen und natürlich musste der Reporter diese wieder mit nach Hause nehmen und sagen, wie unecht es im Vergleich zu Frauen ist. Warum nahm eigentlich die weibliche Reporterin keinen Dildo mit nach Hause, probierte einen Namen für ihn aus und sagte dann, dass er mit einem Mann nicht zu vergleichen ist? Aber lassen wir das.

Positiv erstaunt war ich dennoch, denn was danach kam, war für ein öffentlich – rechtliches Medium (und auch für private Sender) zum Thema Liebespuppen neu. Die lebensnahe Liebespuppe wurde als „besondere Spielart“ und als „normale Sache“ angesehen und gar das öffentliche Auftreten mit lebensnahen Sexpuppen als „in Zukunft bald möglich“ tituliert. Überhaupt wurde das Thema am Anfang erstaunlich wertfrei besprochen.

Was mich ebenfalls positiv überrascht hat, war Professor David Levy, der sehr offen und sehr positiv über Liebespuppen und Robot – Sexpuppen sprach und der endlich erkannt hat, dass die Liebespuppe eine Lebenshilfe ist und viele Menschen glücklich macht. Zeit wird es!

Erbärmliche „Aktivistin“ gegen Liebespuppen

Doch dann kam diese „Dame“ der Anti – Robotsexpuppen Organisation. Sie kritisierte die Liebespuppen als Aufhänger für gesellschaftliche Isolation und als Zeichen der „Wegwerfmentalität“. Hierzu möchte ich ihr nur ein paar Gegenfragen stellen:

1. Was sagen sie zu meinem Blogeintrag gestern?

2. Ist das Schluß machen per SMS ein Zeichen von menschlicher Güte? Sind Datingportale nicht auf einer Wegwerfphilosophie basierend („ich find noch was besseres“)? Was ist mit den Millionen weg geworfenen Kindern, entsorgten Vätern und Alleinerziehenden? Wurden die würdevoll behandelt?

3. Was ist eigentlich mit den 2 Milliarden Menschen, deren „Gott“ sagt, dass man Frauen nach Belieben weg werfen kann, wenn sie nicht spuren?

4. Warum machen sie keine Organisation gegen die Isolation und Wegwerfementalität beim Benutzen von Dildos?

Die letzte Frage war etwas sarkastisch gemeint, der Rest ernst. Solche Organisationen sind so sinnvoll, wie in der Schweiz eine Marine aufzubauen. Lassen sie doch einfach die Menschen entscheiden, was sie in der Liebe wollen und wenn sie was dagegen tun wollen, wenden sie sich doch mal an ihre Kolleginnen im Kampfemanzenclub nebenan und fragen sie diese, inwieweit sie an dieser aktuellen Situation Mitschuld tragen, wäre mein Rat.

Mein Fazit dieser Doku ist: Es gab einige gute Ansätze in Sachen Bewertung der Liebespuppen, aber auch einige alte Momente des Gähnens (Reporter probiert Liebespuppe aus, wieder einmal) und wiederholt keine Befragung von Beteiligten. Jede sexuelle Spielart wurde – auch wieder einmal – relativ neutral und positiv bewertet, nur die Liebespuppe (Robot – Sexpuppe) brauchte die kritische Aktivistin und den natürlich darauf pochenden Reporter, wie sehr die Liebespuppe hinter einer Frau „abstinkt“. Hören sie doch einfach mit diesen Stereotypen auf, dann schaue ich mir sicher ihre Dokus noch lieber an, „wertes ARTE“.

Und noch eine Ergänzung am Ende. Ich habe nach der Sendung tollen Sex mit meiner Silikonpuppe gehabt und ja, er war verdammt gut und leider auch wieder mal besser als das, was ich so mit Frauen erlebt habe. Thema freier Kopf und wenig Leistungsdruck und so. Sie verstehen? 😉

Euer PJ