Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (932) 9.7.2018

200.000 Euro. Das ist die grauenvolle Bilanz meines Lebens, die Summe, die ich grob in meinen Beziehungen und für den Unterhalt eines Kindes ausgegeben habe. Es ist eine Summe, für die ich außer ein paar billige Sexnummern (meist mit folgender Psychotherapiestunde), ein bisserl Show und ein paar Genen nichts zurück bekommen habe. Es ist die Bilanz eines von Millionen Männern, die auf ihrer Suche nach Liebe im Grunde nichts weiter waren, als eine billige Geldschatulle.

Hinter diesen 200.000 Euro stecken endlose Jahre des sinnlosen Schuftens, des Verschleuderns der Ersparnisse meiner Jugend in der Hoffnung, damit geliebte Menschen glücklicher zu machen und eine Familie aufbauen zu können. Am Ende blieb dafür keinerlei Dankbarkeit, im Gegenteil, oft gar noch Verachtung oder völliges Desinteresse übrig.

Wenn man 200.000 Euro für eine Illusion der Liebe ausgibt und dabei noch sein ganzes Herz, seine Kraft und seine Seele opfert, dessen Schaden niemand wirklich benennen kann, dann bleibt nicht mehr viel übrig. Dann bleibt nur ein Leben als „Trümmermann“ und der Versuch, noch halbwegs als Mensch aus der Nummer heraus zu kommen.

Ich hatte wenigstens das Glück, diese 200.000 Euro aus meinen Ersparnissen und meinem Verdienst zu bestreiten. Andere Männer hatten weniger Glück. Ein Freund von mir zahlt für das „Ich wollt mal eine Hochzeit erleben (O-Ton)“ seiner Ex – Frau noch heute diese Schulden ab und andere Männer verschulden sich, um den Unterhalt finanzieren zu können. Sie werden niemals wirklich frei sein.

Die andere Rechnung mit meiner Liebespuppe

Seit 10 Jahren bin ich nun Single. Ich habe seit 7,5 Jahren eine lebensnahe Liebespuppe. Meine Mechadoll Emilie kostete mich damals rund 5.500 Euro und das Teddybabe Deluxe Carly ist im Bereich von 1.000 Euro anzusiedeln. Hinzu kommen vielleicht 1.000 Euro für Kleidung, Echthaatperücken und ein wenig Gleitcreme oder diverse andere Hilfsmittel.

Diesen insgesamt 7.500 Euro stehen eine Menge Spaß, freie Liebe, wundervolle Stunden des Glücks und eine treue Begleiterin in sehr schweren Zeiten gegenüber. Ihnen gegenüber stehen endlose Stunden von befreiendem Sex, innigen und liebevollen Küssen, Umarmungen, Händchen halten und viele Stunden entspanntem Kuschelns am Mittag oder in der Nacht oder am TV.

Die Bilanz könnte also nicht nur monetär nicht krasser sein. Das Preis – Leistungsverhältnis in meinem Leben zwischen der „normalen Liebe“ und dieser „skurrilen Liebe“ könnte nicht unterschiedlicher sein.

Und das sehe ich auch an meinem Kontostand. Obwohl ich heute nicht einmal mehr die Hälfte von dem verdiene, was ich damals verdient habe, steigt mein Kontostand immer mehr. Obwohl ich nicht einmal die Hälfte an Zeit arbeite, als damals, steigt mein Kontostand immer mehr. Die Liebespuppe lässt mir Raum für ein bescheidenes und selbst bestimmtes Leben, wo ich als Mann neben der Stechuhr noch atmen kann und das tief und lang.

Ich werde dieses steigende Konto vielleicht eines Tages wieder für die Liebe nutzen. Ich bin ein „Lovoholic“ und werde nie ohne Liebe leben können. Und ich werde dieses Geld vielleicht eines Tages auch wieder in eine Frau stecken, die sprechen und mit den Augen klimpern kann…..in eine Robot – Liebespuppe 😉