Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (880) 5.3.2018

Die Frage, welchen Anteil der animalische Trieb beim Sex hat und wie viel Optik und Reize entscheiden und wie viel der Geist des Sexpartners ausmacht, ist eine interessante Frage, die ich vor allem im biologischen Bereich und in der Konstruktion des Menschen ansehe. Leider hat der Feminismus diese spannende Frage bis zur Unkenntlichkeit in eine Geschlechterfrage verstümmelt und das ist einfach nur ein falscher Weg.

Das Erforschen der menschlichen Natur, warum er so gebaut wurde und warum sein Geist und sein Unterbewußtsein manchmal merkwürdige Wege gehen, halte ich für sehr spannend, weil sie uns der Schöpfung und des Sinns des Lebens weiter bringt. Und weil gerade diese spannende Frage in diesem Bereich leider viel zu sehr politisiert wurde, hilft uns die lebensnahe Liebespuppe vielleicht dabei, dieser Frage wieder ein wenig neutraler näher zu kommen.

Die heutige lebensnahe Liebespuppe ist keine Frau und doch sieht sie dieser optisch verdammt ähnlich. Bis auf wenige Ausnahmen sehen Männer und Frauen solche Liebespuppen auch nicht als beseelt oder gar menschlich an.

Dennoch berichten sehr viele Liebespuppenfreunde nicht nur davon, dass der Sex mit lebensnahen Liebespuppen sehr gut ist, sondern manchmal setzen sie ihn sogar höher als mit einem lebenden Partner an, weil die Liebespuppe eben alles mit macht, jeden Wunsch – so gut es geht – erfüllt und eben wie ein lebender Sexpartner keine Ansprüche stellt und man sich so komplett fallen lassen (und auch versagen) kann.

Die Liebespuppe reicht vielen Menschen im Bett aus

Anstatt diese Tatsache mit dem bescheuerten „so sind halt Männer“ abzutun, sollte man einmal hinterfragen, warum Sexualität oft nur eine optisch ansprechende Menschenimitation braucht und ich bin mir sicher, wenn die Liebespuppe eines Tages noch ein wenig Selbstbewegung und Geräusche dabei produziert, dann werden noch mehr Menschen sagen: Das reicht mir in Sachen Sexualität.

Die Liebespuppe macht uns deutlich, dass Sexualität nicht immer etwas mit dem geistigen Anspruch unseres Sexualpartners zu tun hat. In Sachen Liebe und Beziehung spielt der menschliche Geist und der Charakter eines Menschen natürlich eine große Rolle, aber ist das auch in Sachen Sex so? Die Liebespuppe scheint darauf eine interessante Antwort zu geben.

Ich selbst habe jedenfalls in den sieben Jahren mit meiner Silikonpuppe Sexualität ganz anders definieren gelernt. Sexualität ist für mich ein Spiel von Hormonen, animalischen Trieben und Phantasie. Der Partner soll dies befriedigen und wenn er das tut, ist es im Grunde egal, was er für ein Gehirn hat. Das ist eine ganz simple Erkenntnis und hat nichts mit Sexismus zu tun und sie trifft – wenn wir ehrlich sind – auf viele Menschen zu, egal welches Geschlecht sie haben.

Sexualität ist für mich Spaß, kann menschliche Fehler haben und man sollte sie nicht zu ernst nehmen und auch nicht zum Gott erheben. Wir befriedigen damit ein uraltes Urprogramm in uns, welches sehr oft die logische Ebene und auch die eingehämmerten Wertevorstellungen verlässt. Hinter Sexualität steckt meist ein biologisches Urprogramm, was äußerst komplex abläuft. Die Liebespuppe zeigt uns diese Komplexität besonders stark, weil wir sehen, dass schon ein Mensch alleine derart unterschiedliche Wahrnehmungen und Vorstellungen von Sex haben kann und das es nicht unbedingt ein Zusammenspiel zweier Menschen braucht, wenn die optischen Reize passen.

Die Liebespuppe zeigt uns auch, wann der menschliche Geist unseres Partners wichtig beim Sex wird. Sie zeigt uns, ob wir ein Mitmachen brauchen, ob wir uns von ihm führen lassen wollen oder ob wir seine Erniedrigung brauchen, um befriedigt zu sein. Wenn Machtspiele oder ein Verschmelzen der Seelen in der Sexualität eine Rolle spielen, dann kann die Liebespuppe unter Umständen nicht mehr ausreichend sein und dann sehen wir auch, welchen Anteil der Geist unseres Partners beim Sex eine Rolle spielt. All das beantwortet die Liebespuppe auf einem ganz anderen Weg mit einem anderen Fokus.

Daher halte ich die lebensnahe Sexpuppe für einen immens wichtigen Teil der sexuellen Freiheit. Sie macht uns klar, wer wir eigentlich im Bett sein wollen, wie sehr wir als Sexpartner einen Menschen oder nur reine Optik brauchen und welche Art von Sex und Erotik wir eigentlich um uns haben wollen. Die Liebespuppe übertüncht nicht, sie stülpt nicht über und sie verklärt nicht und das macht ihren Anteil an der sexuellen Revolution sehr hoch, finde ich.

Euer PJ