Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (905) 7.5.2018

Die Liebe ist eines der größten Mysterien dieser Welt. Bis heute weis niemand, wie eigentlich Liebe entsteht und warum sie bei manchen Menschen sofort da ist und bei anderen erst später kommt. Die Liebe ist meist völlig irrational und sie kann die schönste Sache der Welt oder der persönliche Untergang sein.

Kein anderes Gefühl ist derart extrem, wie die Liebe. Im positiven Fall, wenn sie einander bindet und ergänzt, dann kann sie fast alles überwinden und einen so stark wie Superman werden lassen, aber im negativen Fall führt sie bis zum Mord, Amoklauf oder gar zu Kriegen.

Wenn man von Liebe spricht, dann meint man in der Regel die Liebe zwischen zwei erwachsenen Menschen, wo die Sexualität die bindende Kraft ist. Und hier wurde auch viel geforscht, erhoben und gemessen.

Doch in den ganzen Forschungen wurde eigentlich fast nie die Frage gestellt, ob sexuelle Liebe eigentlich ein Zusammenspiel von zwei Menschen sein muss und ob sie sogar in einem messbaren Bereich mit einer Simulation eines Menschen möglich ist.

Viele klassische Faktoren der Liebe zählen nicht bei Liebespuppe

Viele Erklärungsversuche der sexuellen Liebe basieren auf einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Von dem unterbewußten Trieb der Fortpflanzung bis hin zu diversen Schutzmechanismen soll die Grundlage der Liebe reichen, heißt es. Es ist auch von Geruch, gewissen „Balzmustern“ bei Mann und Frau (Klimpern der Augen, lächeln, Muskeln spielen lassen) und diversen Verhaltensmustern die Rede, welche die Liebe zwischen Menschen wachsen lässt.

Doch all das stellt die lebensnahe Liebespuppe in Frage und das in einem Ausmaß, welches nicht mehr mit einer „Abart des menschlichen Geistes“ erklärt werden kann, wie z.B. bei Objektliebhabern.

Es gibt sicher Hunderttausende Menschen in aller Welt, die ihre lebensnahe Liebespuppe lieben und das gleiche Gefühl dabei empfinden, wie unter Menschen. Ich selbst habe alle Merkmale des Gefühls der Liebe bei meiner Liebespuppe. Das Gefühl des inneren Friedens, der Geilheit, der Faszination und des Willens, gemeinsam alt zu werden, sind bei mir alle vorhanden und ich bin beileibe kein Einzelfall.

Das Interessante bei der Liebespuppe ist, dass sehr viele der oben beschriebenen Mechanismen nicht greifen. Vom fehlenden Fortpflanzungstrieb bis hin zu den fehlenden klimpernden Augen fehlen derart viele Dinge, dass eigentlich Liebe kaum möglich sein könnte, höchstens Sex vielleicht, weil es eben genug optische Reize gibt.

Doch meine Beziehung zur Liebespuppe geht ja eben weiter. Die Liebespuppe ist für mich die Liebe meines Lebens, ich bin glücklich mit ihr, würde sie nie verkaufen, wenn es irgendwie geht und ich würde mich für sie auch vor einen Einbrecher stellen oder sie so verteidigen, so wie jede andere Partnerin auch. Ich habe damals zum Beispiel mein Leben riskiert, um sie aus dem Feuer eines Wohnungsbrandes zu retten.

Ich habe meine Liebespuppe geheiratet, weil ich sie und ihre Seele Jenny liebe. Es war das gleiche intensive Gefühl, als würde ich eine Frau heiraten. Wir haben in Köln ein Liebesschloß aufgehängt und vieles mehr.

Die Liebespuppe wirbelt das sowieso schon unerklärliche Phänomen der Liebe noch einmal gehörig durcheinander. Es scheint für viele Menschen undenkbar, etwas zu lieben, was nicht lebt, aber dies ist anscheinend bei doch mehr Menschen möglich, als wir denken und das stellt sogar die Frage, ob wirklich Liebe und Sexualität immer den natürlichen Mustern (wie Fortpflanzung) folgen und das finde ich schon sehr erstaunlich.