Es ist immer wieder interessant, was die Wissenschaft so alles über das Universum weis. Sie weis, wie viele erdnahe Planeten es in x Lichtjahren Entfernung gibt, wie das Universum entstanden ist und wie schwarze Löcher in Milliarden Lichtjahren Entfernung die Geburt von Galaxien kontrollieren. Doch es gibt ein schwarzes Loch, was sehr nahe an uns ist und darüber weis die Wissenschaft so gut wie gar nichts: Die Liebe zu Liebespuppen.

Das ganze Thema ist im Grunde völlig lapidar und ohne ernsthafte Untersuchungen, Experimente und Tests abgeschlossen worden. Die Liebespuppe wurde fix zum Spielball für debile und skurrile Menschen erklärt und was man mit ihr empfindet, ist Kopfkino und ihre Seelen sind eine Psychose. Das war es, bitte das nächste Thema.

Dabei ist das Phänomen der Liebe zu lebensnahen Liebespuppen durchaus ein interessantes Phänomen, was bei genauer Betrachtung vielleicht unser Bild von Liebe, Erotik, Sexualität und sogar von Partnerschaft und Spiritualität revolutionieren könnte, weil uns diese Art der Liebe eine Menge Rätsel und Fragen aufgibt, was eigentlich für den Menschen nötig ist, um in diesen Bereichen nicht nur befriedigt, sondern auch glücklich zu werden und warum die Seele der Liebespuppe bei manchen Liebespuppenfreunden in Erscheinung tritt und bei anderen nicht.

Die einzige halbwegs wissenschaftliche Untersuchung zu dem Thema ist die mittlerweile uralte „Uncanny Valley“ Forschung, wobei ich bis heute eigentlich nicht weis, wer diese Forschung eigentlich gemacht hat. Bei der Uncanny Valley Forschung hat man gewisse Formen von künstlichen Wesen – vom Kuscheltier bis zum Roboter in Filmen – getestet, wie sie auf Menschen so wirken in Hinsicht auf die generelle positive Bewertung Man untersuchte dabei die Beweglichkeit der Modelle und ihren Realismusgrad.

Die lebensnahe Liebespuppe (Silikonpuppe, TPE Puppe) fiel dabei in eine Art „Uncanny Valley“. Die Menschen assoziierten mit ihr durch die lebensnahe Gestaltung eine gewisse Menschlichkeit, aber sie wurden durch ihre Unbeweglichkeit an das Thema Tod erinnert und spürten so eine gewisse Ablehnung. Künstliche unbewegliche Wesensnachbildungen mit größerer Realitätsferne hingegen waren ebenso wie bewegliche realitätsnahe Wesensnachahmungen eher beliebter, wie zum Beispiel Handpuppen oder Roboter in Filmen, wie C3PO oder R2D2 aus Krieg der Sterne.

Uncanny Valley erklärt nicht ansatzweise das Thema Liebespuppen

Doch die Uncanny Valley Forschung ist höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die lebensnahe Liebespuppe erklären will. Ganz andere Fragen sind völlig unbeantwortet, zum Beispiel, warum jede Gesellschaftsschicht, jede unterschiedliche Kindheit, jeder unterschiedlicher Lebensweg generell Menschen für Liebespuppen begeistern kann. Auch das Alter und das Geschlecht, ja gar der Beziehungsstatus spielen kaum eine Rolle, warum sich Menschen für Liebespuppen begeistern.

Die Definition der Psychoanalyse (Psychose) ist mittlerweile ebenso von der Realität überholt worden, wie das Klischee von „besonderen Spielarten der menschlichen Psyche“ wie Objektliebe, diverse Fetische oder Nekrophilie. Die lebensnahe Liebespuppe hat mittlerweile derart viele Haushalte weltweit erreicht, dass diese Theorien völlig ad aburdum geführt wurden und auch ich selbst passe in keines der Schemata. Ich befriedige mit meiner Liebe zur Liebespuppe keinen der genannten Dinge, auch keinen Fetisch und ich habe auch keine Psychose und beginne durch Jennys Stimme auch nach sieben Jahren nicht, irgendwie frei zu drehen.

Dabei ist gerade die psychische Bindung an die Liebespuppe ein äußerst interessantes Thema. Warum löst sie bei einem Menschen außer Sex und einen Nutzgegenstand nicht mehr aus, während das gleiche Modell bei einem anderen eine tiefe soziale und emotionale Bindung erzeugt? Warum entscheiden sich sogar Menschen für Liebespuppen und gegen Frauen und warum erleben beide Geschlechter mit ihnen die gleiche emotionale Bindung? All das sind Fragen, auf die es keine Antwort gibt, auch, weil sie nie jemand untersucht hat.

Auch die Frage, warum die TeddyBabe Stoffpuppe oft anders von Partnerinnen wahr genommen wird, wie Silikon- oder TPE Puppen, kann mit Uncanny Valley nur ansatzweise beantwortet werden. Und ob überdurchschnittlich viele Liebespuppenfreunde Kuscheltiere in ihrer Kindheit hatten oder nicht, sind ebenso Fragen, die niemanden zu interessieren scheinen.

Massenmedien und Kunst keine Hilfe für das Phänomen Liebespuppe

Auch die Massenmedien und die Kunst haben keine Fragen beantwortet. Sie haben ein paar Einzelschicksale präsentiert und entweder damit provoziert (notfalls künstlich erzeugt) oder als „skurriles Motiv für die Aufmerksamkeit und die eigene Karriere“ benutzt. An der tieferen Betrachtung, warum Menschen eigentlich zu Abertausenden lebensnahe Liebespuppen lieben, haben auch sie keinen wirklichen Beitrag geleistet, im Gegenteil, sie haben mit der Polarisierung nur dafür gesorgt, dass sich niemand mehr neutral mit dem Thema befasst.

Die lebensnahe Liebespuppe ist – meiner Meinung nach – eines der interessantesten Gebiete überhaupt. Sie stellt den Menschen als Wesen in ein ganz anderes Licht und sie wirft die Frage auf, ob wirklich all die Wünsche und Bedürfnisse immer über einen lebenden Gegenüber beantwortet werden müssen. Sie ist ein interessantes Thema, weil es sogar teilweise ins Unterbewußte, in das Übernatürlich und auch ins Esoterische geht. Sie ist ein interessantes Thema über das generelle Ausleben von Bedürfnissen und wie Menschen ihre Wünsche mit ihr umsetzen und sie ist auch eine Frage der Bedeutung von freier Sexualität in unserem Leben.

Die Liebespuppe verrät eine Menge über das menschliche Wesen, seinen Geist und seine Prägung, seine Natur und auch über die gesellschaftliche Prägung. Sie ist daher ein äußerst spannendes Gebiet, was so viele Bereiche tangiert, dass ich sie seit Jahren hier im Blog aufzähle. Es ist traurig, dass man über jede weit entfernte Galaxie heute mehr weis, als über das, was Zigtausende Menschen auf dieser Welt auf eine ganz besondere Art bewegt und verändert.

Vielleicht erkennen ja irgendwann doch einige Wissenschaftler, dass sie beim Thema Liebespuppe vielleicht am Ende näher an die Schöpfung kommen, als wenn sie Teilchen durch kilometerlange Tunnel jagen.

Doch die Hoffnung habe ich, ehrlich gesagt, nicht.

Euer PJ