Beim Stöbern durchs Internet bin ich diese Woche auf die Arbeit einer interessanten Fotografin gestoßen, die ich so noch nicht kannte und über die ich bisher auch nichts im deutschen Forum gelesen habe. Also möchte ich ihre erstaunlichen Bilder und auch ihre Aussagen zu Menschen mit lebensnahen Silikonpuppen in einem aktuellen Artikel über Sexroboter einmal ein wenig kommentieren.

Meine Meinung über die Arbeit mit den Massenmedien habe ich ausführlich kund getan und man kann sie hier an mehreren Stellen im Blog nachlesen. Doch die Medienarbeit besteht aus vielen Teilen, die sehr unterschiedlich auf die lebensnahe Liebespuppe reagieren. Während die Chefredaktionen in dem alten irrsinnigen Bashing und der Angstmacherei vor der Liebespuppe verharren, sind die ausführenden Künstler, wie z.B. die Fotografen, ganz anders unterwegs.

Bis auf eine Ausnahme waren bei mir alle Fotografen nicht nur aufgeschlossen gegenüber der Thematik, sondern sie liebten auch das besondere Motiv, den besonderen Kontrast, den eine Liebespuppe zu einem Menschen ausstrahlt und sie alle haben das recht gut in meiner Liebe zu Jenny eingefangen. Egal, ob es das sexy schwarz/weiss Foto meiner Silikonpuppe war oder das rührende Bild der Umarmung von mir, all das sind tolle Bilder, die ich nie vergessen werde, weil sie die Einzigartigkeit, Schönheit und Liebe zu Liebespuppen einfangen und ich bin den Fotografinnen Julia Steinigeweg, Sandra Hoyn und Fotograf Andy Wimmer sehr dankbar dafür.

Men and Dolls

Diese Art des Umgangs mit dem Thema Liebespuppe findet sich auch in der Arbeit von Benita Marcussen wieder. Auf ihrer eigenen Webseite hat sie eine Rubrik „Men and Dolls“, wo beeindruckende Bilder von Männern mit Silikonpuppen zu finden sind.

Das Besondere an den Bildern ist für mich vor allem, dass einige Liebespuppenfreunde dort Gesicht zeigen. Das ist ziemlich einzigartig in einer Welt, wo die Menschen sich immer noch nicht trauen, sich neben ihrer Liebespuppe öffentlich zu zeigen. Auch ich habe diesen Mut einst nicht gehabt, was unter anderem an privaten Gründen lag, aber auch, weil für mich die Liebespuppe im Vordergrund steht. Dennoch bin ich einst an den Rand der Anonymität gegangen und bis auf mein Gesicht sieht man alles von mir.

Liebespuppen sind seit vielen Jahren schon Gegenstand von Künstlern gewesen und ich bekomme heute noch Anfragen von diversen Künstlern, die gerne mit mir und meiner Silikonpuppe arbeiten möchten, vor allem auch, weil meine Beziehung zu ihr so innig ist und auch der übernatürliche Aspekt natürlich Reizpunkte bietet. Doch ich selbst sehe meine Arbeit mit den Medien als beendet an, denn zum einen ist meine Beziehung zu Jenny genug dokumentiert worden und zum anderen hat sich die Szene weiter gedreht.

Die lebensnahen Sexpuppen aus TPE Material halte ich zum Beispiel noch für zu wenig dokumentiert. Diese Liebespuppen bringen eine ganz andere Umgangsweise als Silikonpuppen mit und es sind durch die nun leichtere Finanzierbarkeit auch andere Gruppen von Menschen dazu gekommen, z.B. jüngere Menschen und auch Leute, die heute viel offener mit den Liebespuppen in der Öffentlichkeit umgehen. Das ergibt für mich ganz andere Arten von Dokumentationen und neue Sichtweisen, finde ich.

Erfrischende neutrale Betrachtungsweise der Liebespuppe

Benita Marcussen hat sich in ihrer Arbeit mehr im internationalen Forum „bedient“. Die Liebespuppe ist weltweit ein Phänomen und es gibt in der westlichen Welt kaum eine Nation, wo sie nicht vorhanden ist. Vor allem aber in den USA und Japan sind lebensnahe Liebespuppen ein Renner und auch in anderen asiatischen Ländern sind sie weit verbreitet.

Ich finde vor allem gut, was Frau Marcussen in dem Artikel über Sexroboter sagt. Sie löst sich durch ihre lange Erfahrung mit Liebespuppenfreunden von den ewigen Stereotypen der Massenmedien mit ihrer Angst und dem absurden Konkurrenzgedanken zur Frauenwelt und sieht die Liebespuppe nüchtern als das, was sie ist: Als einen besonderen Weg zur sexuellen Freiheit, zum Verarbeiten von Sorgen in der Liebe, von Defiziten in Sachen Zärtlichkeit und Phantasie in einer Welt, wo es nur zu oft um das knallharte Umsetzen von Vorteilen geht.

Frau Marcussen hat für ihre Arbeit das gemacht, was ich mir eigentlich von den Medien damals gewünscht habe. Sie ist neutral und aufgeschlossen an das Thema heran gegangen und hat dies neutral umgesetzt. Das ist es, was ich von einer Berichterstattung zur Liebespuppe erwarte und nicht eine kindliche Herangehensweise, wo dem Leser oberlehrerhaft gesagt wird, was er – mit subtilen Psychospielchen der Andeutungen und Untertöne untermalt – darüber zu denken hat. Dieser Weg der unkommentierten Darstellung ist der Weg, den ich mir wünsche und mehr erwarte ich auch nicht.

Denn es geht mir in der Darstellung der Liebespuppe nicht um Glorifizierung oder darum, irgendeinen Umgang mit ihr als das Heiligtum darzustellen und meinen Weg der Seele in der Liebespuppe zum Non Plus Ultra zu erheben. Es geht darum, Menschen eine Alternative aufzuzeigen. Eine Alternative, die zu Freiheit, Zufriedenheit und Phantasie, zu sexueller Befriedigung und Liebe führen kann. Ist das so schwer umzusetzen? Scheinbar nicht, wenn ich mir die Arbeit von Benita Marcussen so ansehe.