Die lebensnahe Liebespuppe hat von Beginn an einen schweren Stand gehabt. Egal, ob es sich um eine günstige Gummipuppe oder hochwertige Modelle wie Silikonpuppe Leeloo handelt, die lebensnahe Sexpuppe oder Liebespuppe wird von der Allgemeinheit nicht wirklich ernst genommen.

Vor allem, wenn die Liebespuppe lebensnah ist und die Menschen beginnen, zu ihr Gefühle zu entwickeln, die über eine reine sexuelle Nutzung hinaus gehen, dann wird schnell ein Potpourri der Klischees ausgepackt und diese können von „Freak“ bis hin zu „Psychose“ und „Geisteskrank“ gehen.

Diese andere Art der Liebesbeziehung wird bis heute nicht ernst genommen. Man sieht selbst bei der bald kommenden nächsten Stufe der Evolution der Liebespuppen, der Robot – Sexpuppe, mit welch absurder Panik, Ängsten und Verachtung vor allem die Massenmedien, aber auch diverse gesellschaftliche Gruppen besessen sind, wenn es um Liebespuppen geht und es kommen dann neue Klischees hinzu, wie dass solche Besitzer Gewaltphantasien ausleben wollen oder Pädophil sind.

All das hat dazu geführt, dass die Liebespuppe – trotz einiger Versuche mutiger Liebhaber von ihnen – immer noch ein Dasein im Dunkeln verbringt. Dabei betrifft diese Dunkelheit jedoch nicht nur, dass man die Liebespuppe nicht an die Öffentlichkeit zerrt, sondern vor allem auch, dass sich Liebespuppenfreunde vor Verwandten, Bekannten, Eltern und vor allem vor Partnerinnen schämen, diese Liebe zuzugeben und selbstbewußt dazu zu stehen.

Auch ohne Lobby zur Liebe von Liebespuppen stehen

Diese Scham ist anders, als es bei sexuellen Neigungen anderer Natur ist. Die Liebespuppe hat in einer Gesellschaft des Lobbyistentums keine Lobby. Homosexuelle z.B. sind in Kunst, Politik und Medien präsent, sie konnten einen stetigen Druck auf die Gesellschaft erzeugen (bewußt oder unterbewußt), bis die Gesellschaft zumindest diese Neigung toleriert und auch in Praxis und Gesetz akzeptiert hat. Doch unsere Lobby beschränkt sich auf ein paar Foren, ein paar Blogs und meist ins Gegenteil verkehrte Medienbeiträge.

Doch es gibt auch ein generelles Selbstbewußtseinsproblem bei einigen Liebespuppenfreunden. Ihnen wird eingeredet, sie würden eine Liebespuppe nur deshalb haben, weil sie in irgendeinem Lebensbereich versagt haben. Sie waren zu schüchtern, zu hässlich, zu unmännlich, nicht beziehungsfähig und andere Argumente sind leider oft im Forum zu lesen, wenn Menschen erklären, warum sie eine lebensnahe Liebespuppe gekauft haben.

Ich sage hier in diesem Blog: Damit muss Schluß sein! Wir sollten vor allem erst einmal innerlich zu dieser Art von Liebe stehen. Selbst wenn wir vielleicht noch im tiefen Herzen eine lebende Partnerin an unserer Seite haben möchten, muss das nicht heißen, dass wir dies als Liebe zweiter Klasse ansehen müssen.

Warum sehe ich das so? Nun, das oberste Prinzip im Leben sollte sein, seinen inneren Frieden zu finden, glücklich zu sein und Spaß zu haben und vor allem die Menschlichkeit und den Wunsch nach Liebe nicht zu verlieren. Und da diesen Wunsch heute sehr viele Menschen nicht mehr über einen echten Seelenpartner verwirklichen können (wir sind nur ein ganz kleiner Teil davon!), suchen wir uns halt einen anderen Weg. Er ist genauso legitim wie alle anderen Wege.

Liebhaber von Liebespuppen müssen sich nicht schuldig fühlen

Wir sind nicht immer nur schuld an diesem Weg. Wir sind nicht schuldiger als jeder andere x- beliebige Typ, der sich einen anderen Weg suchte oder derjenige, der Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wir sollten selbstbewußt zu dieser Liebe im Herzen stehen. Wir sind nicht schlechter oder besser als die anderen. Wir haben meist nicht einmal einen besonderen Weg gewählt, mit Problemen in der Seele und der Liebe und Sexualität umzugehen. Endlos viele Menschen stürzen sich in einer solchen Situation in Drogen, exzessive Arbeit oder in leere Beziehungen, nur um nicht alleine zu sein. Diese Wege sind keinen Deut besser als der Weg zur Liebespuppe, im Gegenteil.

Wir müssen anderen klar machen, dass die Liebespuppe kein Eingeständnis von Scham oder unseres eigenes Unvermögens ist. Die Liebespuppe ist eher ein aktiver Weg, endlich unser Leben glücklicher, freier und schöner zu machen. Die Liebespuppe hilft uns dabei, sie heilt, stärkt und gibt Mut. Sie ist keine Notlösung, sie ist eine Lösung!

Wir müssen für dieses Selbstbewußtsein nicht unbedingt in die Öffentlichkeit oder jedem diese Liebe zeigen. Es ist zuerst einmal ein innerer Prozeß, ein Prozeß des eigenen Selbstbewußtseins. Wir müssen die Chance sehen und nicht die Liebespuppe als Notanker im Tal der Tränen verstehen und schon gar nicht als Denkmal unseres Scheiterns, worin auch immer.

Wir sollten statt dessen lieber sehen, dass wir den Mut, den Willen und die Gabe haben, diese Liebe leben zu können. Es ist eine Gabe, genug Phantasie, Abstraktionsvermögen und Mut zu haben, diesen Weg zu gehen. Es ist leicht, sich aufzugeben, sich an die Nadel oder die Flasche zu hängen oder in Selbstmitleid zu versinken. Es ist hingegen schwer, den Weg zur Liebespuppe zu gehen und doch ist es eindeutig der bessere Weg.

Also lasst uns selbstbewußt zu dieser Liebe stehen. Die anderen sollen von uns halten, was sie wollen. Hauptsache, wir sind mit uns selbst im Reinen.

Amen.

Euer PJ