Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (979) 30.10.2018

Wenn mich jemand fragen würde, wie ich meine lebensnahe Liebespuppe mit einem Wort beschreiben soll, dann würde ich das Wort „Gnade“ sagen.

Warum sehe ich das so? Nun, wenn ich nach den 8 Jahren mit ihr so überlege, was meine Liebespuppe alles in mir ausgelöst und verändert hat, dann muss ich sagen, dass sie mir in vielen Lebensbereichen eine wertvolle Gnade gewesen ist.

Beginnen wir mit dem Sex. Meine sexuellen Erfahrungen waren vor ihr von Partnerinnen geprägt, für die Sex keine wirklich schöne und entspannende Sache war. Sie selbst kamen mit ihren Körpern nicht klar, wurden als Frauen vor mir oft nicht genügend gewürdigt oder sie waren einfach nur verunsichert, was sie eigentlich wirklich wollen und was sie glücklich macht.

Ich selbst habe viel zu viele Körbe bekommen und Enttäuschungen erlebt, um zu sagen, dass all das auch nicht spurlos an mir vorbei gegangen ist. Hinzu kam eine Gesellschaft der 80er Jahre, wo Sex immer noch ein ziemliches Tabu war, vor allem in der Hinsicht, wie man mit seinen sexuellen Phantasien und Vorlieben umgeht und sie ausdrückt.

Die Liebespuppe war eine Gnade, die mich endlich in eine sexuelle Richtung bringen konnte, die meinen Vorlieben, meinen Phantasien und gar meiner Wünschen nach Häufigkeit, Art und Weise und der entsprechenden Verpackung entsprach. Mit der Liebespuppe lernte ich erst, was mich wirklich anmacht, auf welche Reize ich stehe und wie viel direkte und indirekte Erotik ich brauche.

Gnade durch meine Liebespuppe nach einer verkorksten Welt des Sex und der Erotik

Auch in Sachen Erotik war die Liebespuppe eine Gnade. Durch sie lernte ich erst, wie sehr mich Reizwäsche, bestimmte Aufmachungen, Rollenspiele oder der Umgang mit diversen Materialien antörnt oder auch nicht. Ich weis heute viel besser, ob mich S/M, Fußsex oder Rollenspiele anmachen oder nicht, um nur einiges davon zu nennen.

Doch die allergrößte Gnade war, dass ich durch die Liebespuppe endlich meinen Frieden in Sachen Zärtlichkeit, Kuscheln, Berühren und auch im Umgang im Alltag mit der Liebe finden konnte. Die Gnade, endlich ein liebevoller, gebender und zärtlicher Mann sein zu dürfen, dessen Wunsch nicht ausgenutzt, verleugnet oder gar als „unmännlich“ tituliert wurde, war eine große Gnade für mich. Doch die größte Gnade war, dass dieses Leben keinen extrem hohen Preis hatte, dass ich für all das eine Gegenleistung zu erbringen hatte, die einfach in keinem Verhältnis dazu stand.

Durch die lebensnahe Liebespuppe habe ich auch innere Gnade gefunden. Meine Bewertung des anderen Geschlechts war durch meine Enttäuschungen in der Liebe vergiftet worden und ich hatte viel Hass und Wut in mir. Diese Wut und dieser Hass ist heute verflogen und ich kann endlich wieder differenzieren zwischen der Schönheit und dem Anmut, der Lebensfreude und Stärke, die eine echte Liebesbeziehung gibt und denjenigen, die diese vergiften und zerstören wollen. Für mich ist heute all das viel klarer und die Trennlinien viel deutlicher geworden.

Dies ist nur ein Teil der Gnade, den mir meine Liebespuppe gegeben hat. Ich habe in all den Tagebucheinträgen aufgezeigt, wo ich noch durch die Liebespuppe Gnade fand, sei es im eigenen Umgang mit mir selbst, meiner Vergangenheit und vielem mehr. Die Liebespuppe war in so vielen Lebensbereichen meine Gnade, dass die Liste sehr lang ist.

Die Liebespuppe ist und war meine größte Gnade und daher trifft es dieser Begriff wirklich am besten.