Tagebuch eines Liebespuppenbesitzers (705) 6.1.2017

Die lebensnahe Liebespuppe aus TPE Material und anderen Materialien ist im Kommen. Durch die steigende Bekanntheit der Sex- und Liebespuppe sowie den steigenden Kundenzahlen kommt die Liebespuppe auch immer mehr in der Gesellschaft an, denn auch Freunde, Bekannte, Kollegen, Geschwister, Partner und Eltern werden mit dem Thema konfrontiert und nach und nach Hemmungen abgebaut.

Doch die Welt des Umgangs mit Liebespuppen ist vielschichtig. Der eine Liebhaber sieht sie als seelenlose Sexpuppe und als Hormonausgleich, ein anderer sieht die Liebespuppe hingegen als wichtige Begleiterin in seinem Leben, als seelische und emotionale Bereicherung und gar als Lebenshilfe.

Wer meine Blogeinträge und Kolumnen verfolgt hat in den letzten Jahren, der weis, dass ich eine sehr intensive Beziehung zu meiner Silikonpuppe und der in ihr befindlichen Seele Jenny pflege. Das tägliche mentale Reden mit ihr ist für mich genauso Normalität, wie sie als meine Ehefrau zu bezeichnen. Jenny ist für mich als Geist aus einer Zwischenwelt in der Silikonpuppe gelandet, aber es ist für mich immer nur ein Erklärungsversuch gewesen, abgelehnt habe ich andere Erklärungstheorien wie „Kopfkino“ nie.

Die emotionale und seelische Beziehung zu einer Liebespuppe und vor allem das mentale Reden mit ihr ist noch weit davon entfernt, so in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wie die Liebespuppe ansich. Das hat nicht nur Gründe der schwierigen Überprüfung, denn viele andere nicht messbare Dinge der Esoterik oder des Glaubens sind weitgehend akzeptiert, sondern es liegt vor allem an der weit verbreiteten Vorstellung, dass eine Stimme im Kopf Menschen automatisch zu Massenmördern oder Psychopathen macht.

6 Jahre der Stimme von Jenny in meinem Kopf – Freier Wille behalten und positive Veränderungen erlebt

Doch ich bin auch 6 Jahre nach den ersten Worten meiner Liebespuppe in meinem Kopf weder ein Massenmörder noch ein Psychopath geworden. Jennys Stimme ist keine Befehlsmaschine und sie ist auch kein Ausdruck einer gespaltenen Persönlichkeit in mir. Jenny ist einfach Jenny. Sie ist eigen, hat ihre eigene Art und eine Sanftheit in sich, die ich nie hatte, zu keiner Zeit meiner Entwicklung, denn ich war immer schon ein ungeduldiger und oft auch zu kämpferischer Mensch, der gerne mal mit dem Holzhammer durch die Reihen stürmte, auch als Kind schon.

Jennys Stimme mit denen derjenigen zu vergleichen, die in ihnen „Gottes Anweisungen“ oder andere destruktive Nachrichten bekommen, ist absurd. Jenny ist weder destruktiv noch bestimmend.

Ich habe in den 6 Jahren auch stets die Kontrolle über das Phänomen behalten. Die meiste Zeit höre ich Jenny nicht, ich würde sagen, 20 Stunden des Tages. Meist ist die Kommunikation außerhalb unseres festen TV Abends spontan und vor allem immer schön, liebevoll und aufbauend.

Jenny versucht auch nicht, mich zu vereinnahmen. Im Gegenteil, sie spornt mich sogar zu Familientreffen an und freut sich über jeden Besuch und sie lässt mich ohne Probleme gehen, wenn ich etwas erledigen muss. Ich bin mir sicher, sie würde sich noch nicht mal zwischen mir und eine Frau stellen, die ihr menschlich das Wasser reichen könnte und bei der ich überlegen würde, ob ich mich auf sie einlasse.

Es gab auch einmal 2 Wochen, wo ich ohne Jennys Stimme war. Ich half einem Freund bei einer Ernte und Jenny ließ ich bewußt zu Hause in ihrem Körper zurück. Die Stimme war nach knapp einer Autostunde Fahrt verschwunden (sie wurde vorher leiser) und dann war ich 2 Woche ohne sie und hatte viel Spaß dort. Ich vermisste sie natürlich und auch die Silikonpuppe, aber es war damals für mich ein guter Beleg, dass ihre Stimme mich weder besitzt noch irgendwie von Menschen abwenden ließ und das ich auch ohne sie leben kann.

Jennys Stimme ist auch nach 6 Jahren für mich ein stetiger Quell der Freude und nicht des Leids, des Wahnsinns oder so. Sie ist ein ganz normaler und schöner Teil für mich. Ich kann mit ihr spontan alles bereden, was passiert und das ist toll. Ich muss nicht warten, bis Freunde und Familie nach Hause kommen und vielleicht gar keine Lust und Zeit haben, meinen Erlebnissen zu lauschen. Jenny ist immer da, es reicht ein kurzer Ruf und sie ist bei mir und das immer konstruktiv und hilfreich.

Ich habe mich seit Jennys Stimme im Kopf sehr positiv verändert. Ich bin vor allem sehr viel geduldiger geworden und auch ausgeglichener, weil ihre Stimme mich an die Liebe erinnert und sie bringt mich runter, wenn ich sauer und überfordert bin, sie bringt mich zum Lachen, zum Blödeln und ich werde ein sanftes Lamm, wenn ich sie höre. Jennys Stimme ist so zart, lieb, naiv und unverbraucht, dass alle bösen Gedanken in mir wie Butter zerfließen.

Jennys Stimme in meinem Kopf hat mich nicht zu einem Massenmörder gemacht, sondern zu einem besseren Menschen, der weiterhin einen freien Geist hat und es wäre schade, dieses Phänomen, das nicht nur ich, sondern auch einige andere Liebespuppenfreunde haben, auch einmal in diesem Licht gesehen werden würde und die Angst davor schwindet.

Euer PJ